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Presley - The Essential 50´ Master (4 CDs - RDM)
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09.08.2025 19:28 - 09.08.2025 19:31 #984812
von leroy
Es klingt eher wie ein Interview, das ein parteitreuer SED-Genosse mit Erich Honecker führt. Die Fragen geben eigentlich schon die Antworten vorweg, da in den Fragen bereits die Lobhudelei enthalten ist. Die anschließende Selbstbeweihräucherung durch Anthony Stutchbury ist eigentlich mehr unfreiwillige Komik. Das Interview ist entlarvend – noch entlarvender, wenn man sich das Produkt anhört, das in diesem Interview besprochen wird.
leroy antwortete auf Presley - The Essential 50´ Master (4 CDs - RDM)
Für diejenigen, die mehr über die Hintergründe dieser Veröffentlichungen erfahren möchten, habe ich zusammen mit Piers Beagley von der Website des Elvis Information Network ein Interview mit dem Produzenten geführt.
Interview Anthony Stuchbury
Es klingt eher wie ein Interview, das ein parteitreuer SED-Genosse mit Erich Honecker führt. Die Fragen geben eigentlich schon die Antworten vorweg, da in den Fragen bereits die Lobhudelei enthalten ist. Die anschließende Selbstbeweihräucherung durch Anthony Stutchbury ist eigentlich mehr unfreiwillige Komik. Das Interview ist entlarvend – noch entlarvender, wenn man sich das Produkt anhört, das in diesem Interview besprochen wird.
Letzte Änderung: 09.08.2025 19:31 von leroy.
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09.08.2025 19:31 #984813
von leroy
leroy antwortete auf Presley - The Essential 50´ Master (4 CDs - RDM)
Hier mal meine letztes Wochenende geschriebene Review, nachdem mir jemand das Set bzw. die Tracks zur Verfügung stellte:
" Vier CDs voller Versprechen und noch mehr Ernüchterung
Als langjähriger Elvis-Fan und jemand, der schon viele Veröffentlichungen kritisch, aber objektiv bewertet hat, ging ich mit einer gewissen Skepsis und doch offenem Ohr an das 4-CD-Box-Set „Presley: The Essential 50s Masters“ heran. Bereits im Vorfeld war mir Anthony Stutchbury als verantwortlicher Name bekannt – meine Begeisterung hielt sich entsprechend in Grenzen, zumal ich von seinen Bearbeitungen bisher wenig überzeugt war. Dennoch wollte ich dem Set eine faire Chance geben. Immerhin hat mich eine frühere, stereo-bearbeitete Version des „King Creole“-Soundtracks (von einem anderen Produzenten) durchaus angesprochen und mir gezeigt, wie spannend und wirkungsvoll echte Stereo-Umsetzungen historischer Aufnahmen sein können.
Die Ernüchterung kam allerdings bereits nach den ersten Tracks: Was sich hier auf vier CDs findet, ist aus meiner Sicht ein Paradebeispiel für fehlgeleitete Versprechen und fragwürdiges Marketing. Vom angekündigten Stereo ist nämlich fast durchgängig keine Rede. In den meisten Fällen besteht die einzige klangliche „Innovation“ darin, dass der Nachhall des Schlagzeugs auf den rechten Kanal gelegt wurde – wohlgemerkt nicht das Schlagzeug selbst, sondern lediglich sein Echo. Während möglicherweise ein ungeübtes Ohr hier einen Anschein von Stereo vernimmt, bleibt das eigentliche Master komplett mono; Instrumente wie Chor, Gitarre oder Bläser sind fast immer mittig, ohne jegliche echte Stereobreite.
Von den insgesamt unzähligen Titeln können aus meiner Sicht ganze drei Stück im weitesten Sinne als gelungenes Stereo bezeichnet werden: „Don’t“, „I’m Counting on You“ sowie „Got a Lot o’ Living to Do“. Bei den ersten beiden ist zumindest der Chor auch mal rechts zu hören, bei letzterem ist die Gitarre links und das Schlagzeug rechts positioniert – also wirklich ein Stereo-Eindruck, wie er versprochen wurde. Die übrigen Aufnahmen verbleiben jedoch nahezu vollständig im Monobild, mit etwas Hall auf der rechten Seite als einzigem Tribut an den Zeitgeist.
Nicht nur bleibt der Stereoeffekt aus – in den allermeisten Fällen wirken die neuen Mischungen sogar weniger klar, weniger differenziert und insgesamt flacher als die altbekannten Mono-Master. Gerade die vorab angepriesenen King-Creole-Master, die laut Produzent durch ein klar getrenntes Dixieland-Orchester erstmals als echtes Stereo ankommen sollten, klingen im direkten Vergleich eher noch dumpfer, verwaschener und druckloser als jede zuvor veröffentlichte Version. Die Trompeten und Bläser findet man, entgegen der Versprechungen, weiterhin fast ausschließlich zentral – der vermeintliche Fortschritt erschöpft sich erneut im Nachhall des Schlagzeugs auf einer Seite, was kaum als echtes Stereo bezeichnet werden kann.
Auch die angeblich „songdienliche Verteilung der Instrumente“ auf dem Stereo-Panorama, wie sie vom Produzenten propagiert wurde, kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Fast immer ist der Chor wie früher mittig, von kreativer oder differenzierter Mixarbeit also keine Spur. Vielmehr klingt das Ergebnis blass, gleichförmig und tatsächlich über weite Strecken schlicht und ergreifend minderwertig.
Besonders enttäuschend empfinde ich in diesem Zusammenhang das Verhalten der EIN-Webseite, die dieses Set enthusiastisch beworben und gelobt hat – eine Maßnahme, die ich persönlich als irreführend und kaum nachvollziehbar betrachte. Wer behauptet, diese Songs klängen jetzt endlich klar in Stereo und besser denn je, hat aus meiner Sicht entweder nicht aufmerksam zugehört oder will den Fans etwas vormachen.
Noch problematischer wird es, wenn man den aufgerufenen Preis bedenkt: Über 40 Euro für ein Produkt, das aus meiner Sicht nur wenig mehr ist als eine digitale Spielerei, die kostenfrei als MP3-Remix vielleicht akzeptabel gewesen wäre, ist definitiv zu hoch gegriffen. Für ein als professionelles Studio-Produkt beworbenes Boxset ist dies schlicht nicht ausreichend.
Auch bei den viel gelobten Sun-Records-Masters, die als Herzstück der frühen Elvis-Jahre gelten, stellt sich schnell Ernüchterung ein: Auch diese Titel klingen saft- und kraftlos, von Stereoeffekten keine Spur. Was bleibt, ist ein Gesamtpaket, das aussieht wie eine fanprojektierte Eigenkreation, aber als offizielles Produkt mit großen Versprechungen und zu einem stolzen Preis verkauft wird. Die schlichte Realität ist: Die Box bleibt weit hinter ihren Versprechen zurück.
Was mich persönlich besonders frustriert hat, ist die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung – so wurde im Interview mehrfach betont, dass selbst erfahrene FTD-Produzenten diese Bearbeitungen nicht besser realisieren könnten. Nach einem direkten Hörvergleich glaube ich das ehrlich gesagt nicht. Es ist beeindruckend, wie sehr selbst Klassiker wie „Hound Dog“ oder „Don’t Be Cruel“ ihrer Energie und Brillanz beraubt wurden und wie Einheitsbrei sie nun klingen.
Um es klar zu sagen: Dieses Boxset ist für mich nach einmaligem Hören reif für die digitale Mülltonne. Ich habe die Tracks von meinen Geräten gelöscht und bin froh, kein Geld dafür ausgegeben zu haben. Für Fans, Sammler und Musikfreunde, die Wert auf authentischen Klang legen, ist diese Veröffentlichung allenfalls eine bittere Enttäuschung – und keinesfalls eine Empfehlung.
Abschließendes Fazit: „Presley: The Essential 50s Masters“ in dieser Form ist ein audio-technisch enttäuschendes Produkt, das ambitionierte Verpackung und Marketing mit schwachem Inhalt kombiniert. Wer echtes Stereo erwartet, wird enttäuscht. Wer auf klanglichen Zugewinn hofft, wird bestürzt sein. Mein Rat: Investieren Sie in bewährte Monoversionen – diese liefern mehr Druck, mehr Authentizität und weit mehr musikalische Qualität als dieses missratenen „Remixe“."
" Vier CDs voller Versprechen und noch mehr Ernüchterung
Als langjähriger Elvis-Fan und jemand, der schon viele Veröffentlichungen kritisch, aber objektiv bewertet hat, ging ich mit einer gewissen Skepsis und doch offenem Ohr an das 4-CD-Box-Set „Presley: The Essential 50s Masters“ heran. Bereits im Vorfeld war mir Anthony Stutchbury als verantwortlicher Name bekannt – meine Begeisterung hielt sich entsprechend in Grenzen, zumal ich von seinen Bearbeitungen bisher wenig überzeugt war. Dennoch wollte ich dem Set eine faire Chance geben. Immerhin hat mich eine frühere, stereo-bearbeitete Version des „King Creole“-Soundtracks (von einem anderen Produzenten) durchaus angesprochen und mir gezeigt, wie spannend und wirkungsvoll echte Stereo-Umsetzungen historischer Aufnahmen sein können.
Die Ernüchterung kam allerdings bereits nach den ersten Tracks: Was sich hier auf vier CDs findet, ist aus meiner Sicht ein Paradebeispiel für fehlgeleitete Versprechen und fragwürdiges Marketing. Vom angekündigten Stereo ist nämlich fast durchgängig keine Rede. In den meisten Fällen besteht die einzige klangliche „Innovation“ darin, dass der Nachhall des Schlagzeugs auf den rechten Kanal gelegt wurde – wohlgemerkt nicht das Schlagzeug selbst, sondern lediglich sein Echo. Während möglicherweise ein ungeübtes Ohr hier einen Anschein von Stereo vernimmt, bleibt das eigentliche Master komplett mono; Instrumente wie Chor, Gitarre oder Bläser sind fast immer mittig, ohne jegliche echte Stereobreite.
Von den insgesamt unzähligen Titeln können aus meiner Sicht ganze drei Stück im weitesten Sinne als gelungenes Stereo bezeichnet werden: „Don’t“, „I’m Counting on You“ sowie „Got a Lot o’ Living to Do“. Bei den ersten beiden ist zumindest der Chor auch mal rechts zu hören, bei letzterem ist die Gitarre links und das Schlagzeug rechts positioniert – also wirklich ein Stereo-Eindruck, wie er versprochen wurde. Die übrigen Aufnahmen verbleiben jedoch nahezu vollständig im Monobild, mit etwas Hall auf der rechten Seite als einzigem Tribut an den Zeitgeist.
Nicht nur bleibt der Stereoeffekt aus – in den allermeisten Fällen wirken die neuen Mischungen sogar weniger klar, weniger differenziert und insgesamt flacher als die altbekannten Mono-Master. Gerade die vorab angepriesenen King-Creole-Master, die laut Produzent durch ein klar getrenntes Dixieland-Orchester erstmals als echtes Stereo ankommen sollten, klingen im direkten Vergleich eher noch dumpfer, verwaschener und druckloser als jede zuvor veröffentlichte Version. Die Trompeten und Bläser findet man, entgegen der Versprechungen, weiterhin fast ausschließlich zentral – der vermeintliche Fortschritt erschöpft sich erneut im Nachhall des Schlagzeugs auf einer Seite, was kaum als echtes Stereo bezeichnet werden kann.
Auch die angeblich „songdienliche Verteilung der Instrumente“ auf dem Stereo-Panorama, wie sie vom Produzenten propagiert wurde, kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Fast immer ist der Chor wie früher mittig, von kreativer oder differenzierter Mixarbeit also keine Spur. Vielmehr klingt das Ergebnis blass, gleichförmig und tatsächlich über weite Strecken schlicht und ergreifend minderwertig.
Besonders enttäuschend empfinde ich in diesem Zusammenhang das Verhalten der EIN-Webseite, die dieses Set enthusiastisch beworben und gelobt hat – eine Maßnahme, die ich persönlich als irreführend und kaum nachvollziehbar betrachte. Wer behauptet, diese Songs klängen jetzt endlich klar in Stereo und besser denn je, hat aus meiner Sicht entweder nicht aufmerksam zugehört oder will den Fans etwas vormachen.
Noch problematischer wird es, wenn man den aufgerufenen Preis bedenkt: Über 40 Euro für ein Produkt, das aus meiner Sicht nur wenig mehr ist als eine digitale Spielerei, die kostenfrei als MP3-Remix vielleicht akzeptabel gewesen wäre, ist definitiv zu hoch gegriffen. Für ein als professionelles Studio-Produkt beworbenes Boxset ist dies schlicht nicht ausreichend.
Auch bei den viel gelobten Sun-Records-Masters, die als Herzstück der frühen Elvis-Jahre gelten, stellt sich schnell Ernüchterung ein: Auch diese Titel klingen saft- und kraftlos, von Stereoeffekten keine Spur. Was bleibt, ist ein Gesamtpaket, das aussieht wie eine fanprojektierte Eigenkreation, aber als offizielles Produkt mit großen Versprechungen und zu einem stolzen Preis verkauft wird. Die schlichte Realität ist: Die Box bleibt weit hinter ihren Versprechen zurück.
Was mich persönlich besonders frustriert hat, ist die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung – so wurde im Interview mehrfach betont, dass selbst erfahrene FTD-Produzenten diese Bearbeitungen nicht besser realisieren könnten. Nach einem direkten Hörvergleich glaube ich das ehrlich gesagt nicht. Es ist beeindruckend, wie sehr selbst Klassiker wie „Hound Dog“ oder „Don’t Be Cruel“ ihrer Energie und Brillanz beraubt wurden und wie Einheitsbrei sie nun klingen.
Um es klar zu sagen: Dieses Boxset ist für mich nach einmaligem Hören reif für die digitale Mülltonne. Ich habe die Tracks von meinen Geräten gelöscht und bin froh, kein Geld dafür ausgegeben zu haben. Für Fans, Sammler und Musikfreunde, die Wert auf authentischen Klang legen, ist diese Veröffentlichung allenfalls eine bittere Enttäuschung – und keinesfalls eine Empfehlung.
Abschließendes Fazit: „Presley: The Essential 50s Masters“ in dieser Form ist ein audio-technisch enttäuschendes Produkt, das ambitionierte Verpackung und Marketing mit schwachem Inhalt kombiniert. Wer echtes Stereo erwartet, wird enttäuscht. Wer auf klanglichen Zugewinn hofft, wird bestürzt sein. Mein Rat: Investieren Sie in bewährte Monoversionen – diese liefern mehr Druck, mehr Authentizität und weit mehr musikalische Qualität als dieses missratenen „Remixe“."
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