Was macht für euch in gutes Konzert aus?

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25.01.2026 14:49 #986707 von Rider
Weil in einem anderen Thread die Frage nach Elvis' "grottigstem" Konzert war und dort dann auch entsprechend einige Meinungen geäußert wurden, würde mich mal interessieren:

Was macht für euch ein gutes Elvis-Konzert aus?

Steht bei euch das Programm an erster Stelle, Elvis' Stimmung, der Unterhaltungsfaktor, eine bestimmte Phase der ganzen Band, ist euch egal, wenn er wenig von sich gibt, oder mögt ihr ihn lieber etwas mitteilsamer? 

Habt ihr Lieblings-Engagements/-Touren, gibt es welche, wo ihr nur vereinzelt Konzerte gut findet, gibt es welche, die ihr komplett meidet (sehr wahrscheinlich gibt es die), gibt es welche, die ihr komplett durchhören könnt und es auch schon getan habt, und solche, die ihr immer wieder hören könnt? Und natürlich: Welches Konzert haltet ihr für Elvis' stärkstes? 

Vielleicht kann jeder so fünf Konzerte nennen, dann können wir unter den meistgenannten eine Abstimmung machen. :wub: 

bin gespannt auf eure Vorschläge und Meinungen! :up: 

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25.01.2026 19:16 #986708 von ronb57
Die 1969/1970 Konzerte, egal ob Las Vegas oder auf Tour waren doch vom Ablauf Musik und Dynamik, egal ob von Elvis selbst, der TCB-Band, den Chorstimmen ja auch Orchester meistens gleich.

Elvis verausgabte sich im Zusammenwirken mit Band und Chor.

Aus diesen beiden Jahren waren die Konzerte, soweit man diese veröffentlicht hat, für mich nicht großartig unterschiedlich. Sicherlich flossen ab August '70 viele Lieder aus den Juni Sessions mit ein und Elvis wurde langsam zum Entertainer.
Dennoch waren diese Konzerte geprägt von viel körperlicher Action.

Ab 1971 wollte er das Publikum ala Las Vegas Manier doch mehr unterhalten, Oldies but Goldies wurden gekürzt, melodische Coversongs wurden in die Show genommen.

So ging es doch weiter 1972 bis 1977. Wie schon geschrieben, er wurde zum Entertainer.

Klar stach speziell das Aloha Konzert 1973 heraus, was für mich als ein absoluter Höhepunkt an Entertainment anzusehen ist und ein Topkonzert war.

Für mich gab es noch 1974 einige Höhepunkte, die Memphis Konzerte, ja auch weitere Städtetourneen, die aber vom musikalischen Ablauf fast immer gleich waren.

Auch 1975 gab es noch einige gute Konzerte, auch nicht so gute, die gekennzeichnet waren von seinem schlechten gesundheitlichem Zustand.

1976 und 1977 das gleiche "Bild" ! Ein bergauf und bergab.

Elvis versuchte in den Jahren 1975 bis 1977 sein Publikum immer musikalisch zu befriedigen. Andererseits denke ich, war es dem Publikum egal, ob er sang oder nur auf der Bühne stand und irgendetwas erzählt hätte.

Ich bin nicht so direkt auf dein Thema eingegangen, Rider, weil ich dir bei sovielen Las Vegas Engagements und Städtetourneen kein eigentlich schlechtes Konzert nennen kann, da ich mir auch nicht alle VÖ angehört habe.

Klar die sehr guten Konzerte waren, wie oben schon genannt, die 1969/1970, die guten 1971 bis 1974 - mit Ausnahmen -und teilweise 1975.
1976 und 1977 möchte ich nicht als schlecht einstufen. Auch hier zeigte er dem Publikum, dass er doch ein Kassenmagnet war, er agierte noch in einem befriedigenden Level.
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26.01.2026 07:49 #986711 von Harty
@Rider: 
"Was macht für euch ein gutes Elvis-Konzert aus? Steht bei euch das Programm an erster Stelle?.."

Ich möchte die interessante Frage nicht falsch verstehen und gehe davon aus, du meinst nicht eine Art "Wunschkonzert" sondern schon die real Concerte von Elvis ?

Für mich waren die 69er und 70er Shows perfekt. 1969 war er noch sehr raw und pushy. So würde es die heutige Generation nennen. Elvis hat seine "Oldies" noch ernst genommen und hatte zusätzlich exzellente Songs auf der Bühne. Es hat es ausserdem clever verstanden aktuelle Hits von anderen Künstlern in seine Show zu integrieren. Diese Kombination hat er später vermissen lassen und auch seine Oldies eher abgepult. Beispielsweise möchte ich 1977 kein Release me oder Bridge mehr hören. Die Zeit für diese Songs war im Zeitraum 1970 - 1972 perfekt. Ich kann daher auch nicht 5 Konzerte in Summe nennen sondern eher Fragmente aus Shows. Die komplette August Season 1970 war top, ebenso die Shows von 1969. 1972 wird schon schwieriger : eher Hampton / Richmond. Aloha betrachte ich aus heutiger Sicht ebenso als ein sehr gutes Konzert. 

Ein gutes bzw sehr gutes Konzert muss Oldies beinhalten aber ordentlich dargeboten. Sicherlich kann und darf man auch einen Text mal veralbern, aber diese Songs sind seine Wurzeln. Elvis war aber live der ungewöhnlichste Entertainer. Es war der Mix der Songs. Hymnen, Rock'n Roll, Country, Balladen, Gospel...Großes Aber: Die Shows waren für mich meist zu kurz. Das Thema hatten wir schon hier. Ich mag es überhaupt nicht wenn er seine Oldies abnudelt unter 2 Minuten. Das ist für mich grausam. Es hat auch bereits 1970 warum auch immer schöne Songs wie In the ghetto, Sweet Caroline, You don't have to say you love me...im Tempo verschärft. Ich habe mal gelesen, ob diese Aussage stimmt weiß ich nicht, dass die Vegas Shows ein zeitliches Korsett haben mussten, da Elvis in der Regel 2 Shows gab. Teilweise gar 3 Shows. 
Um ein Konzert zu beurteilen hängt es auch von der vorliegenden Klangqualität ab. Die Silvstershows hätte ich gerne im sehr guten Sound vorliegen. Insofern bin ich daher in der Beurteilung eingeschränkt. 

Wir kennen leider nur die Setlist der Memhis Shows von 1961. Aber diese Shows werden schon extrem gut gewesen sein wenn ich die Setlist betrachte. 
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26.01.2026 19:13 #986724 von Harty
Ich füge noch die Afternoon Show MSG vom 10.6.72 hinzu wegen Reconsider Baby. Natürlich fehlt auch die Memphis 1974 Show. 

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26.01.2026 21:00 - 26.01.2026 21:03 #986733 von Rider

@Rider: 
"Was macht für euch ein gutes Elvis-Konzert aus? Steht bei euch das Programm an erster Stelle?.."

Ich möchte die interessante Frage nicht falsch verstehen und gehe davon aus, du meinst nicht eine Art "Wunschkonzert" sondern schon die real Concerte von Elvis ?

 
Genau. Es geht um die Original-Konzerte. Welche sind die Kriterien, damit man sich ein Konzert gerne, wiederholt anhört oder dass es zu einem Klassiker wird. Welches Konzert beispielsweise würde man jemandem an die Hand geben, der jetzt im Rahmen des Films fragt: "Du bist doch Super-Fan. Welche CD soll ich mir denn mal zulegen?" 

Für mich waren die 69er und 70er Shows perfekt. 1969 war er noch sehr raw und pushy. So würde es die heutige Generation nennen. Elvis hat seine "Oldies" noch ernst genommen und hatte zusätzlich exzellente Songs auf der Bühne. Es hat es ausserdem clever verstanden aktuelle Hits von anderen Künstlern in seine Show zu integrieren. Diese Kombination hat er später vermissen lassen und auch seine Oldies eher abgepult.

Kann ich so gar nicht bestätigen. Und natürlich kamen auch immer wieder Titel anderer Künstler dazu, s. You Gave Me A Mountain, Never Been to Spain, American Trilogy, Why Me Lord, Help Make it Through The Night, Until It's Time for You to Go u. a. 

Beispielsweise möchte ich 1977 kein Release me oder Bridge mehr hören.

Dabei sind die gerade 1977 wieder sehr interessant, weil sie viel näher am Original waren (Release Me) oder eine andere Lesart bekamen wie "Bridge". 

Ich kann daher auch nicht 5 Konzerte in Summe nennen sondern eher Fragmente aus Shows.

Mir ging es jetzt wirklich mal um das eine Konzer, von dem du sagst: Perfekt!

Die komplette August Season 1970 war top, ebenso die Shows von 1969. 1972 wird schon schwieriger : eher Hampton / Richmond. Aloha betrachte ich aus heutiger Sicht ebenso als ein sehr gutes Konzert. 

Ich habe es zum Jahrestag neulich noch mal gehört, und muss sagen: Nachdem ich es irgendwann mal richtig gut fand, hat es mich jetzt zuletzt nicht mehr so berührt. Mein Problem ist, dass es eigentlich erst mit frühestens It's Over , eher Fever so richtig losgeht, Spaß zu machen. Ab da zieht er wirklich durch. Ich merke halt immer mehr, dass es eine TV-Show im Sinne einer Gala war, und weniger ein echtes Tour-Konzert. 

Was 1972 betrifft, war er mega in dem Jahr. Da gibt's kein schlechtes Konzert, das ich kenne. Das war Volldampf, eine unglaubliche Energie, auch der Band. Madison Square Garden war ein Hammer, eine Feldzug, eine Eroberung der Stadt, die ihn zu seinen Anfängen so verächtlich behandelt hat. Wenn du dir MSG anhörst, merkst du: Er walzt einfach alles nieder. Da gibt es keine Pause, keinen Moment, wo er locker lässt. Das ist echt sehr sehr heftig von der Energie her. 

Ein gutes bzw sehr gutes Konzert muss Oldies beinhalten aber ordentlich dargeboten. Sicherlich kann und darf man auch einen Text mal veralbern, aber diese Songs sind seine Wurzeln.

Ja, schon. Aber ganz ehrlich: Was wolltest du mit Mittte bis Ende 30 aus Teenie-Songs wie Teddy Bear oder Don't Be Cruel groß machen? Elvis suchte doch ganz andere Herausforderungen. Er war eben keiner von den alten Rock 'n' Roll-Altvorderen, die mit einer Rivival-Show durch die Lande zogen. 

Elvis war aber live der ungewöhnlichste Entertainer. Es war der Mix der Songs. Hymnen, Rock'n Roll, Country, Balladen, Gospel...Großes Aber: Die Shows waren für mich meist zu kurz. Das Thema hatten wir schon hier. Ich mag es überhaupt nicht wenn er seine Oldies abnudelt unter 2 Minuten. Das ist für mich grausam. Es hat auch bereits 1970 warum auch immer schöne Songs wie In the ghetto, Sweet Caroline, You don't have to say you love me...im Tempo verschärft. Ich habe mal gelesen, ob diese Aussage stimmt weiß ich nicht, dass die Vegas Shows ein zeitliches Korsett haben mussten, da Elvis in der Regel 2 Shows gab. Teilweise gar 3 Shows.

Die drei Shows sind weniger als eine handvoll. Und ich glaube auch nicht, dass er sich hätte sagen lassen, wie lang seine Show zu sein hatte. Klar, die eine Stunde war irgendwie drin, aber es ja nun auch genügend Ausnahmen. Ich denke, das war einfach seine Energie, die da die Geschwindigkeit reinbrachte. Bei TikTok habe ich ein Video gesehen, wo jemand fragte, was die optimale Längfe für ein Konzert sei. Ich muss sagen, 60 bis 75 sind für mich bei vollem Commitment das Optimum, mehr sollte es dann auch nicht sein. Gibt diese Megashows von zwei, zweieinhalb und mehr Stunden. Da bin ich überhaupt kein Freund von. 

Um ein Konzert zu beurteilen hängt es auch von der vorliegenden Klangqualität ab. Die Silvstershows hätte ich gerne im sehr guten Sound vorliegen. Insofern bin ich daher in der Beurteilung eingeschränkt. 

Auch das ist für mich kein Kriterium. Habe zu Silvester die Show aus dem Silverdome gehört und danach eine Nachricht für unseren Freund etp aufgenommen, Tenor: womöglich eine der schlechtestem Shows, die ich jemals gehört habe. Und das liegt nicht am Sound. Soundqualität ist schön und gut, aber ich höre mir liebend gerne ein Audience Recording an, wenn das Publikum und Elvis abgehen und sich gegenseitig anpeitschen. Überhaupt klingen die Konzerte aus dem Publikum vielfach so anders, es ist mega-interessant mitzubekommen, wie die Leute das damals gehört haben. Vor allem Ronnie ist immer wieder eine absoluter Höhepunkt, und vielleicht das Backbone der Show. Ich liebe James Burton, ich denke, die Leute wussten vielfach gar nicht, mit welchem Meister es sie da zu tun hatten, weil der Applaus für ihn immer normal ist. Aber bei Ronnie flippen alle aus.

Wir kennen leider nur die Setlist der Memhis Shows von 1961. Aber diese Shows werden schon extrem gut gewesen sein wenn ich die Setlist betrachte. 

Keine Ahnung. Ich denke nicht, dass ich sie mir oft anhören würde. 

Für mich sind er Flow und die Interaktion mit dem Publikum absolut entscheidend. Und die Band. Wenn man merkt, an dem Abend ging wirklich was ab, da war was besonderes in der Luft, dann macht mir das Spaß. Wenn man mehrere SHows einer Tour oder eines Engaments hintereinander hört, fällt mehr auf, welch ein Meister Elvis darin war, das Publikumk zu lese und dahin zu bekommen, wo er es haben will. Wenn er merkte, okay, das war's, dann kommt Can't Help Falling in Love, wenn er merkte, die Stimmung ist so, ich haue noch einen raus, dann ist das umso geiler zu hören. 

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Letzte Änderung: 26.01.2026 21:03 von Rider.

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26.01.2026 21:39 - 26.01.2026 21:55 #986735 von Gypsy
Ich denke Aloha war das Beste in punkto Perfektion. Nicht ein stimmlicher Schnitzer, nichts. Und zum Schluss hin ein wahnsinniger Flow. Die Kombination aus American Trilogy, Big Hunk o Love und Cant Help Falling In Love ist so genial. Das erzeugt bei mir ein Happy Gefühl wie kein anderes Ende all seiner auch noch so guten Shows. Selbst die banal gesungenen Versionen der Oldies gliedern sich hier perfekt ein. Als leichte Brise zwischen den Balladen, ohne dabei durch zu viel Rockigkeit den melancholischen Flow der Show zu stören. Ich denke Elvis wusste genau was tat, indem er die Oldies nicht im Block durchsang, sondern gezielt einstreute.
Und dazu ein komplett anderer Elvis als zuvor. Keine überdrehten Bewegungen, stattdessen große Posen. Und er sah fantastisch aus, dürr wie 1969, aber viel reifer.
Das ist nicht besser , aber es ist anders. Es bereichert das Bild von Elvis als darstellenden Künstler.
Viel zu lange wurde die Show in Fankreisen als eher schwach angesehen. In direkten Vergleichen mit TTWII zum Beispiel. Das ist sie allerdings keineswegs, wenn man versteht wie Elvis sich der Welt präsentieren wollte.

Natürlich gibt es viele richtig gute Shows. 1972 ist mein Lieblingsjahr, weil die Band hier perfektioniert ist. Der Drive von Suspicious Minds im Garden zum Beispiel, ist ein ganz anderes Level als 1969 oder 70 in Vegas.

Wenn ich Bock auf einen Elvis habe, der physisch richtig aufdreht, dann geht nix über TTWII. 

Auch darf man diverse Konzerte aus den späten Siebzigern nicht vergessen. Uniondale 1975 zum Beispiel. Leider nur in schlechter Qualität zu hören, aber trotzdem sehr gute Shows. Physisch und stimmlich. 
Letzte Änderung: 26.01.2026 21:55 von Gypsy.
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26.01.2026 21:55 #986737 von Taniolo
Ein weiteres Mal kann ich deinen Argumentationen und deinen Einschätzungen zu einzelnen Aspekten sehr gut folgen bzw. sehe Vieles zumindest ähnlich. Speziell zu nennen wären deine Einschätzungen zu MSG'72 und Pontiac'75. Das passt für mich absolut.

Eine eigene Bemerkung hätte ich noch zur Konzertlänge und eine weitere ganz allgemein zur bereits in mehreren Beiträgen geäußerten Songauswahl.

Was eine perfekte (oder auch nur gute) Konzertlänge ist, vermag ich schwer zu sagen. Ich denke, das steht im engen Zusammenhang zu dem Künstler/ der Künstlerin der / die da gerade auf der Bühne steht und dem, was dem Publikum geboten werden soll.
Wir hatten das ohnehin schon an den verschiedensten Stellen herausgearbeitet: Konzerte der heutigen Zeit sind schwerlich mit jenen von "damals" zu vergleichen. Dennoch gab es auch in den 70ern schon Künstler, die regelmäßig mehr als 2 Stunden auf der Bühne standen. Bruce Springsteen ist einer jener Protagonisten, die schon damals lange performt haben.
Ich denke, die Konzertlänge muss zum jeweiligen Künstler, seiner Musik passen. Die Show muss so angelegt sein, einem gewissen Spannusbogen zu halten. Auch wenn es Ausnahmen gab (Tahoe 76), so meine ich, dass eine Elvis Show regelmäßig über 2h nicht wirklich funktioniert hätte. Seine 1h-Shows haben zu dem gepasst, was er transportieren wollte bzw was das Publikum von ihm erwartete. Ich habe damit kein Problem.

Was die oft kritisierte Songauswahl angeht, so war diese keineswegs so einseitig, wie immer gerne behauptet wurde. Tatsächlich hat Elvis über all die Jahre immer wieder Vieles ausprobiert. Aber das Publikum hat mE nur ein bestimmtes Spektrum an Songs eingefordert, und wenn dem Meister mal Wünsche zugerufen wurden, handelte es sich auch bei diesen fast immer um seine Oldies. Nun kann man natürlich streiten, ob er deshalb auch mal ein Good Luck Charm oder ein Hard Headed Woman einbauen können. Aber generell kamen die "modernen" Sachen einfach nicht so rüber.
Vorhin erst schaute ich mir nochmal in einem anderen Thread Elvis' Darbietung von The Next Step Is Love an. Für mich ein Hammersong; einer meiner Lieblinge aus jenen Tagen. 
Aber während der Bühnenperformance springt der Funke einfach nicht über. Das Publikum hört artig zu und goutiert den Song am Ende artig mit Applaus - aber das war's dann auch. Auf der anderen Seite Elvis arbeitet sich ordentlich durch den Song, wirkt aber irgendwie gehetzt, packt nicht das hinein, was er im Studio gemacht hat und selbst die Rehearsal zu diesem Lied hatten mehr Charme als das, was er da auf der Bühne fabriziert. War er schlecht drauf? Mit Sicherheit nicht - was andere Performances an jenem Abend beweisen. Aber der Künstler da vorne auf der Bühne spürt sehr wohl, ob er sein Publikum mit dem jeweiligen Vortrag gepackt hat oder eben nicht.
Elvis hat in den 70ern immer wieder neue Songs ins Programm aufgenommen und in sehr vielen Fällen blieb es bei Versuchen, die bereits nach einer oder wenigen Aufführungen oder nach dem jeweiligen Engagement wieder beendet wurden. Zum Großteil, so wage ich zu behaupten, war die Selektion gewisser Songs dem Geschmack und den unterschwelligen Forderungen des Publikums geschuldet.

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26.01.2026 22:15 #986738 von Taniolo
Zu Gypsy & Aloha: Ja! Passt. Ich habe Aloha vor Jahrzehnten beim ersten Anschauen großartig gefunden. Es gab aber auch eine Zeit, in der ich es als langweilig empfand und bemängelt, dass Elvis physisch nicht wirklich rockt und unter dem Pomp all der vielen Balladen der Elvis, den ich mir in diesem Augenblick gewünscht hätte, sich fast selbst zu begraben scheint. Mittlerweile habe ich aber längst wieder meinen Frieden mit Aloha gemacht. Mehr noch - für mich zählt das Konzert zum Besten, was es von Elvis gibt. Gypsy hat das enorm gute Aussehen und all die anderen Aspekte angesprochen, so dass ich nichts davon noch einmal benennen muss.
Und die Konzerte aus dem TTWII-Zyklus? Natürlich sind die nicht minder gut - wenn auch anders. Elvis ist hier mit dem Rückenwind aus seinen gerade erst abgeschlossenen Studiosession auf einem Höhepunkt seines Schaffens, hat eine großartige Band samt Orchester zusammengestellt und ist sich seiner Bedeutung, seiner Wirkung und Ausstrahlung bewusst und liefert ab. 
Gäbe es - wie bei Aloha nur diese eine TTWII Show (okay ich weiß, im Falle von Aloha waren es faktisch zwei), so müsste meine Sympathie such nicht aufteilen müssen und ich müsste nicht überlegen, welche der Shows vielleicht besonders heraussticht. Aber vor allem würde die Wahrnehmung eines theoretischen Single-Events wohl eine andere sein. Eine einzelne Show, in der gewissermaßen alles kumuliert, sticht am Ende ganz anders hervor als so ein Block mehrerer Shows. Gleiches gilt dann vielleicht noch mehr für die On Tour Konzerte, wobei ich denke, dass alles, was damals im April passiert ist, von den NY Konzerten um Längen geschlagen wurde. Too bad, dass es von den MSG Shows keine kompletten professionellen Filmmitschnitte gibt.

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28.01.2026 08:54 #986792 von Harty
Für mich ist Konzert nicht gleich Konzert im Sinne von Vergleichbarkeit. Wie meine ich das ? Ein Open Air Konzert verursacht bei mir eine komplette andere Stimmung als in einer Halle. Insofern unterscheide ich bei Elvis in welcher Umgebung er seine Shows absolvierte. Ich befasse mich derzeit intensiv mit den Vegas Show, besonders 1970 um mir ein eigenes Konzert zu schneiden. Vegas ist eine andere Welt. Teilweise sprechen die Kamera Publikumsszenen ihre eigene Sprache. Das ist schon sehr dezent. Man sitzt in kleinen Gruppen am Tisch und schlürft den Schampus. Elvis on tour bzw on the roas hat eine ganz andere , ja geladene Atmosphäre. Aloha wiederum ist eine Wohlttätigkeitsveranstaltung. Das hat auch Einfluß auf den Künstler. Ich erfreue mich immer wieder an den Bildern der Houston Rodeo Show. Elvis im offenen Jeep und dann auf dieser Drehbühne ohne Orchester, nur mir Band und Chor begleitet. Das wirkt schon absurd aber irgendwie geil, zumindest für ich. 
In Las Vegas hat Elvis ein Stück weit seine Seele verkauft. Elvis war das Pferdchen im Zirkuszelt für die Oberschicht, die nicht nur aus den USA anreiste. Elvis änderte auch sehr schnell seinen Stil für die Shows. 1969 rockte Elvis noch mit einigen Tempo Songs wie What'd I say, Blue suede Shoes, Jailhouse rock / Don't be cruel, Baby what you want me to do, Mystery train, All shook up, I got a woman, Hound dog, Suspicious minds, Heartbreak hotel. Das sind in Summe etliche uptempo Nummern. Sein Outft war in dunkler Kleidung..eher so der schwarze Panther auf der Bühne. Das Raubtier. Er wechselte dann aber zügig in den weißen Dress. 
Ein gutes Konzert zu beurteilen liegt in erster Linie am eigenen Geschmack, hinzu kommt dann die qualitative Darbietung der Songs und die Songauswahl selbst. Interessant ist aber der Ablauf bzw die Reihnenfolge der Songs, der sogenannte Flow. Sehr interessant finde ich wie Elvis 1976 und 1977 Unchained melody am Klavier spielt. Oder auch die Unplugged Stuhl Sequenz August 1970 mit I was the one, get back, little sister. Das ist ein intimer Moment. Solche Dinge gefallen mir. Die Amerikaner flippten ja schon aus, wenn Elvis seine Nuschelmedleys abspulte und seinen kleinen Finger bewegte. Das ist ein wichtiger Aspekt den ich anhand einer Audioquelle nicht beurteilen kann. Die visuelle Interaktion mit dem Puplikum ist Teil eines Konzertes. Die Blicke von Elvis, die Andeutung sein Bein zu schütteln oder sein Becken zu drehen. Die berühmten Moves bei Suspicous minds. Zu einem Konzert gehört auch das Gefühl im Publikum, das eigene Empfinden und das gemeinsame Empfinden mit den Fans. Daher denke ich , ist reine Berurteilung von Audio nur ein Teil um ein Konzert in Gänze zu beurteilen. Teilweise höre ich wie @Rider gerne auch mal Audience Recordings. Hier ist man mittendrin statt nur dabei. 

Für die 74er Memphis hatte man Mikrofone im Saal verteilt um das Publikumserlebnis einzufangen. Der Mix war eher mittelprächtig auf der LP. Die Shows die im Mehrspurformat vorliegen könnte man durchaus im Stream / DVD Audio als 5.1 oder Dolby Atmos Mix veröffentlichen. 

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28.01.2026 15:47 #986794 von Rider
Ich lese hier bisher viel Lob für "Aloha". Das hätte ich so gar nicht erwartet. Aber vielleicht werden wir einfach alle älter und gesettelter und denken uns: Wenn ich mich nicht bewegen kann, soll es der Typ da oben auf dem Bildschirm auch nicht. 

Nein, im Ernst: Bei "Aloha" handelt es sich zweifelsohne um eine Gala-Vorstellung, und Elvis nahm diese als Gelegenheit, ein neues Image in die Welt zu tragen. Was mir an diesem Konzert besonders gefällt, ist die Band. Man merkt noch einmal, welche exzellenten Musiker Elvis da versammelt hatte. Und sie geben halt echt alles, und tragen ihn durch die Show. Es ist so, als hätte jemand gesagt: "Okay, wir haben Spaß auf der Bühne, nehmen es nicht zu ernst, und machen auch mal Mist - aber hier müssen wir jetzt abliefern." Als wäre ein Schalter umgelegt. Da sitzt wirklich alles, Ronnie am Schlagzeug ist magisch, Jerrys sanfte Basslines sind der Hammer, Glen Hardin macht das, was er am besten kann: Er brilliert mit ausgefeilten Arrangements und verleiht dem ganzen Stil. Am ehesten etwas zurückhaltend ist JB, der aber auch immer wieder geniale Licks einwirft. Alles läuft wie ein Uhrwerk, absolut präzise. 

Aber bei Elvis ging es nie um Perfektion. Bereits Sam Phillips suchte nach der "perfekten Perfektionslosigkeit". Und das gibt es halt hier nicht zu spüren. Ich glaube das ist, warum viele - und zuletzt auch wieder ich - ihre Probleme mit "Aloha" haben. Nicht dass es schlecht wäre, um Himmels willen. Wobei Something wirklich schlecht ist. Warum er das gebrachte hat? Der Grund kann eigentlich nur sein, dass alles andere, was gepasst hätte, bereits veröffentlicht war und man etwas "Neues" bringen wollte. Wobei, da wäre It's Impossible sicher besser gewesen. Auch My Way an der Stelle ist irgendwie nicht ganz passend, finde ich. Aber gut, es ist müßig darüber nachzudenken. Jedenfalls holt mich Aloha nicht so wirklich ab. Erst recht nicht wenn ich es schaue Ich weiß noch, wie enttäuscht ich war, als ich es, vermutlich 1988, zum ersten Mal sah. Diese miese Bildqualität, es wirkte irgendwie fad. Ich kannte TTWII und EOT, und hatte gemäß dem Cover eigentlich auch etwas "On Tour"-mäßiges erwartet, wurde aber in jeder Hinsicht enttäuscht. Da waren keine Power-Songs wie Never Been to Spain, Proud Mary oder Polk Salad Annie zu finden. Und Burning Love war im Vergleich zu "On Tour" lahm und langweilig. Was es mir damals immerhin angetan hat, war Fever. Da kam so etwas wie Stimmung auf, und natürlich "Trilogy", obwohl ich auch diese Version nicht für die beste halte. Auch die Rocker "Long Tall Sally..:" und "Big Hunk" kommen nicht an frühere Versionen heran.

Insgesamt ein schöner Fernsehabend, und was verwundert ist, das Aloha auch außerhalb der Fan-Kreise bei "casual" (wie sagt man auch Deutsch?) Hörern hohes Ansehen genießt. Ich muss sagen, ich würde praktisch jedes andere Live-Album vorziehen. Auch wenn mich Matt Ross-Spang zuletzt enttäuscht hat: Hier hat er gute Arbeit geleistet, in erster Linie weil er es dem Anlass entsprechend gemixt hat. Nämlich mehr oder weniger wie eine Studio-Aufnahme (das kann er - live kann er nicht). Was mich allerdings stört, ist der Mix von Bläsern und Streichern an den Rand. Das hätte m. E. als großer Rahmen in den Hintergrund über das komplette Panorama verteilt gehört, um den Geist des Gala zu unterstreichen. Ist das Orchester, das ein maßgeblicher Teil hier ist, an den Rand gedrängt. Für meine Begriffe hätte man sich denken können, dass es da nicht hingehört. 

Und dann ist mir natürlich viel zu wenig Hall auf dem Ganzen... 

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