Elvis In Concert

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05.04.2003 23:04 #78824 von ManInBlack
Elvis In Concert wurde erstellt von ManInBlack
Nach meiner vielbeachteten Rezension der LP "Frankie And Johnny" widme ich mich heute aus gegebenem Anlaß der Besprechung der LP "Elvis In Concert" - aus gegebenem Anlaß deshalb, weil mir ein freundliches Forumsmitglied diese Woche die Shows aus Rapid City und Omaha auf VCD zur Verfügung stellte und dieses Album ja bekannterweise komplett aus Songs dieser beiden Auftritte besteht.

Klappen wir also die <span style='color:deeppink'>rosaroten</span> Brillengläser hoch und machen uns frisch ans Werk!

Wie ich ja schon in einem anderen Thread erwähnte, kann ich die Vorbehalte gegen eine Veröffentlichung des CBS-Specials voll und ganz nachvollziehen.

Ich zitiere mich selbst:

Ich habe mir gerade gestern sowohl Omaha als auch Rapid City angeschaut und bin zu folgendem Schluß gekommen:

Auch ich hätte ganz gewiss nichts gegen eine offizielle Veröffentlichung auf DVD in entsprechender Bild- und Soundqualität - aber:

- Elvis sieht wirklich sehr, sehr krank aus

- Er quält sich geradezu schlafwandlerisch durch die meisten Songs und strengt sich kaum an (Ausnahmen bestätigen hier die Regel)

- Er spricht sehr, sehr schleppend, stottert und brabbelt teilweise ziemlich zusammenhangloses Zeug

Der Zufallskäufer könnte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in seinen Vorurteilen bestätigt sehen, wenn er dieses Material zu Gesicht bekommt!

Eine reines Fan-Release wäre sicherlich besser!


Meine Einstellung gegenüber der Doppel-LP ist in etwa die selbe. Immerhin treffen zwei meiner Einwände gegen einen DVD-Release des Specials, ebenso auf die LP zu.

Aber fangen wir vorne an:

Die Covergestaltung der LP gefällt mir recht gut. Vier prächtige, große Farbbilder wurden hier untergebracht, die - wie nicht anders zu erwarten - natürlich Jahre früher entstanden und damit auch ein wenig darüber hinwegtäuschen, was uns hier erwarten wird... Über die Aufnahmedaten schweigt RCA sich beharrlich aus - eine Tatsache, die bei vielen zu der Meinung führte, die LP beinhalte Elvis letztes Konzert, was natürlich Unsinn ist.

Das erste, was sowohl bei der LP, als auch bei der CD negativ auffällt, ist die inferiore Soundqualität. Der Klang ist einfach viel zu dumpf und wenig differenziert. Ich kann nur schwerlich glauben, daß RCA hier so gepfuscht hat...

Kommen wir zum Inhalt:

Es ist schockierend und todtraurig zugleich, was uns hier zu Ohren gebracht wird und ich frage mich ernsthaft, warum RCA damals diese LP veröffentlichte! Gut, Elvis war nicht mehr ins Studio zu bekommen und man wollte Umsatz machen. Aber hätte man nicht noch genug anderes, vorteilhafteres Material in den Archiven gehabt?

Stattdessen hören wir hier völlig vergurkte Versionen von Klassikern wie "Johnny B. Goode" und "What´d I Say" - Aufnahmen, die noch nicht einmal eines Wald- und Wiesensängers würdig wären! Kurzatmig und gelangweilt ins Mikrofon genuschelt... Ähnliches Grauen und Bestürzung bei "Jailhouse Rock" und "Hound Dog" - zwei Aufnahmen, die einfach nur unsagbar peinlich sind! Warum quält man uns mit Shaun Nielsens "O Sole Mio"-Gequake? Wozu eine 6-minütige Version von "I Got A Woman", die allenfalls visuell Wirkung zeigen würde? Ebenso frage ich mich bei den vergewaltigten Versionen von "Love Me" und "Teddy Bear-Don´t Be Cruel", bei denen Elvis mehr damit beschäftigt ist, seine Halstücher zu verteilen, als sich um eine gute und mitreißende Interpretation zu kümmern, was diese auf der LP zu suchen haben? Am größten wird mein Unverständnis jedoch bei "Are You Lonesome Tonight?". Hier wurde ja schon oft über diese Aufnahme diskutiert - und selbst wenn es wirklich so sein sollte, daß der vergurkte Sprechteil ein geplantes Element der späteren Shows war (was ich kaum glauben kann, da Elvis seine gute Reputation damit völlig ruiniert), so hat es nichts auf einer LP zu suchen! Der Durschnittshörer kennt diese Hintergründe nämlich nicht und denkt natürlich, daß Elvis hier bis obenhin stoned war und rein gar nichts mehr auf die Reihe bekam...

Es gibt natürlich auch einige wenige Songs, die die Ohren des Hörers etwas entspannen lassen. "You Gave Me A Mountain", "How Great Thou Art", "Trying To Get To You", "Hurt" und "My Way" sind zwar alle schwächer als die auf früheren Alben veröffentlichten Versionen (hoch mit den rosaroten Brillengläsern!), aber immerhin noch nett anzuhören (wäre da nicht der miese Sound). Vorallem machen diese Songs traurig, ihre Themen sind Verlust und Tod - und Elvis singt sie, als wisse er, daß er bald für immer gehen muss. Wir hören hier einen gebrochenen, todkranken Mann, der noch einmal seine schwindenden Kräfte mobilisiert, als würde er sich bei seinen Fans für all die anderen misslungenen Songs entschuldigen wollen - als wolle er ihnen mitteilen, daß sein Ende nur allzu nahe bevorsteht.

Ich kann die Veröffentlichung dieses Materials nicht nachvollziehen - und wenn, dann hätte es eine einzelne LP getan, die die wenigen brauchbaren Songs vereint und die peinlichen Momente auslässt!

Der Gelegenheitskäufer wird sich beim Hören dieser Aufnahmen in allen seinen Vorurteilen bestärkt fühlen - und das ist traurig.

Wie ist Eure Meinung dazu?

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05.04.2003 23:22 #78848 von crawfish
crawfish antwortete auf Elvis In Concert

Wie ich ja schon in einem anderen Thread erwähnte, kann ich die Vorbehalte gegen eine Veröffentlichung des NBC-Specials voll und ganz nachvollziehen.

Ist wohl ein kleiner Schreibfehler. ;) :grin:
Ist natürlich nicht das NBC, sondern das CBS Special.

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05.04.2003 23:24 #78850 von ManInBlack
ManInBlack antwortete auf Elvis In Concert
:klatsch:

Danke! Habs korrigiert! :up:

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05.04.2003 23:37 #78876 von Joe_E.
Joe_E. antwortete auf Elvis In Concert

Ich kann dir zwar teilweise recht geben. Aber nicht bei It's now or never. Finde die Aufnahme ziemlich faszinierend. Zuerst Nielsen, der sich mit den italienischen Wörtern abmüht und alle Kraft in den Song legt, dazu ein scherzender Elvis. Dann legt die Band los und Elvis steigt mit einer Gelassenheit (im positiven Sinne) in den Song rein. Gerade als ob er sagen wollte, hör mal, du brauchst dich so anzustrengen, dabei geht das doch so einfach... Er macht die ganze Qual von Nielsen nichtig, indem er den Song so unglaublich locker bringt. Elvis Einstieg in den Song ist für mich der Beste überhaupt, was die Live-Versionen von It's now or never betrifft.

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05.04.2003 23:41 #78882 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Elvis In Concert
der hauptgrund dafür dass diese doppel lp völig misslungen ist, ist in der produktion zu suchen. was sich RCA, genauer gesagt felton jarvis, da geleistet hat, ist unverzeihbar. joan deary erzählte das mal in einem interview: felton jarvis kam mit dem material ins studio, spielte es ihr vor und sie wäre fast umgefallen or schreck. dumpf, teilweise war das orchester gar nicht zu hören, dann übertönte es wieder alles, eben alles völlig falsch abgemischt. in diese zeit fiel dann der 16. august. das cbs special war schon für oktober geplant und auch die soundtrack LP mußte erscheinen. so kam es dann zu diesen peinlichen overdubs. die orchesterparts wurden teilweise neu eingespielt und dazugemischt.
ein weiterer negativpunkt ist die songauswahl. der normale hörer weiß z.B. nicht dass early morning rain, what'd I say und johnny b. goode teile der band introductions waren. als ich die LP in den 80ern zum ersten mal gehört habe, habe ich mir auch gedacht wie elvis da so einen mist singen kann. das wissen darüber dass das eigentlich ausschnitte aus den band introductions sind, relativiert das natürlich etwas.
unchained melody hätte auch dabeisein müssen, auch wenn es eine andere version bereits auf der "moody blue" gab, die aus rapid city ist bekanntlich sehr gut.
die produktion ist ein kompromiss von vorne bis hinten. unter normalen umständen hätte sowas keine plattenfirma veröffentlicht. trotzdem schaffte es "elvis in concert" unter die top 10 in vielen LP charts.

fazit: hier erlebt man sicher keinen elvis der spitzenklasse. höhepunkte: hurt, how great thou art, I really don't want to know. schwachpunkte: die gesamte zusammenstellung der 2. LP und die soundqualität. wäre dies alles gelungen, hätte das einige schwachstellen bei elvis selbst überdecken können, so verstärkt es sie leider noch.

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05.04.2003 23:42 #78883 von ManInBlack
ManInBlack antwortete auf Elvis In Concert
Mir ging es ja auch weniger um die Qualität von Elvis Vortrag (die m. E. nicht im geringsten mit der Studioversion konkurieren kann), sondern vielmehr um Shauns Gesang... Gut, dieser ist sicherlich Geschmackssache, aber alle Nicht-Elvis-Fans denen ich seinen Part mal vorgespielt habe, haben sich förmlich geschüttelt vor Lachen und irgendwas von wegen Eunuch vom Stapel gelassen...

Ich kann mit Shaun leben - auf Außenstehende wirkt er aber sicher mehrheitlich peinlich... :null:

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05.04.2003 23:47 #78891 von ManInBlack
ManInBlack antwortete auf Elvis In Concert
Danke für Deinen Beitrag, Klaus!

Die Hintergründe mit der Abmischung waren mir so noch nicht bekannt.

Was "Unchained Melody" aus Rapid City anbelangt, gebe ich Dir Recht. Diese Version ist gelungen!

Nur warum hat man sich die zweite LP nicht gleich ganz geschenkt? Die Songs waren doch nicht Bestandteil des Specials? Und wenn man dann schon diese Soundprobleme hatte...? Ich verstehe es nicht... :null:

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05.04.2003 23:49 #78896 von User gelöscht
User gelöscht antwortete auf Elvis In Concert

Ich kann mit Shaun leben - auf Außenstehende wirkt er aber sicher mehrheitlich peinlich... :null:

solche leute mögen dann auch garantiert roy orbison nicht ... <_<

ich habe auch kein problem mit sherrill (shaun) nielsen. er kann zwar nicht mit bill baize von den stamps mithalten was das stimmvolumen in den oberen regionen der tonskala betrifft, aber im großen und gazen ist er erträglich ;)

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05.04.2003 23:54 #78899 von Taniolo
Taniolo antwortete auf Elvis In Concert

Ich mag Roy, kann mit Shaun aber auch nicht viel anfangen. Er singt mir zu schwuckig. :blush:

... with a barefoot ballad you just can't go wrong.

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05.04.2003 23:56 #78901 von ManInBlack
ManInBlack antwortete auf Elvis In Concert

ich habe auch kein problem mit sherrill (shaun) nielsen. er kann zwar nicht mit bill baize von den stamps mithalten was das stimmvolumen in den oberen regionen der tonskala betrifft, aber im großen und gazen ist er erträglich ;)

Ganz genau! Das ist keine volle, natürliche hohe Stimme, sondern ein ziemlich gepresstes Falsett (ähnlich dem, was Little Richard manchmal anwendet)...

Als ich ihn das erste Mal mit vielleicht 12 Jahren auf der Platte hörte, dachte ich, da sänge eine Frau... ;) :blush:

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