Elvis "vorvorletztes" Konzert - June 24, 1977

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27.08.2012 10:47 - 27.08.2012 10:51 #873112 von Teddywife
Elvis "vorvorletztes" Konzert - June 24, 1977 wurde erstellt von Teddywife
Oft fragen Fans, ob es denn eine Soundboardaufnahme geben würde vom letzten Tourtag in Indianapolis in Elvis' allerletzter Tour. Auch in der öffentlichen "Prince From Another Planet"-Release-Vorstellung, zu der im entsprechenden Thread ein Video gepostet wurde, wurde nach der eventuellen Existenz eines solchen Bandes gefragt. Bisher scheint es ja nicht so auszusehen, als gäbe es das.

Mit Verwunderung aber, stellte ich gestern fest, dass es eine Soundboardaufnahme des vor-vorletzten Auftrittes gibt und diese auch erhältlich ist/war. Auf der Box "Final Curtain" versteckt sich mal eben eine Aufnahme davon auf CD 5. Für mich war das eine Sensation! Denn ausßer durch das CBS Special hörte ich Elvis in seiner letzten Tour noch nicht einmal in einer erträglichen Sounqualität.

Doch warum ich diesen Thread dafür eröffnete, hat einen Grund. Ich habe wirklich Erfahrung mit Elvis und seinen Livedarbietungen im Laufe der Jahre und verschiedensten Tour-Phasen. "Jede Tour ein anderer Elvis" könnte man ja schon sagen.
Und ich weiß, dass es sehr häufig den Mythos zu hören gibt, Elvis war auf seinem letzten Konzert "ganz anders", als beim CBS Special... etwa besser und insgesamt motivierter. Nun, das mag sein, da es sich um den letzten Tag vor längerer Pause handelte und die Vorfreude auf einen Urlaub ihm Motivation verschaffte. Aber nachdem ich mir die Aufnahme aus Madison vom 24.06.77 anhörte, kann ich mir das nicht mehr vorstellen.

Als allererstes fällt nach wenigen Sekunden im Intro sofort auf, dass Tutt an dem Tag auch nicht da war. Ich war immer der Meinung, es war nur der Indianapolis-Gig, an dem Tutt nicht da war und glaubte, es sei deshalb auch Larry Londin gewesen. Es war aber Jerome "Stump" Monroe, Drummer der Sweet Inspirations. Das davon eine Soundboard Aufnahme existiert, war für mich wirklich genial. Zumal es sich auch schlagzeugtechnisch lohnt.

Jerome Monroe's Spiel gefiel mir sehr und ich hatte dein Eindruck, er steckt, speziell auch für Elvis' Live-Repertoire Larry Londin in die Tasche. Er spielt natürlich total anders als Tutt, aber weiß sich irgendwie besser dadurch zu kämpfen. Elvis' Programm wird ihm wohl ziemlich bekannt gewesen sein, als Drummer der Sweet Inspirations.
Elvis stellt ihn vor mit den Worten: "Our drummer Ronnie Tutt is not there. He is sick."

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www.elvisinfonet.com/interview_jerome_stump_munroe.html

Auch die zwei vorgetragenen Lieder von Sherill Nielson sind etwas besonders. Denn eins ist sicher: Er bringt an dem Tag die beste gesangliche Leistung, die der bezahlende Fan zu hören bekam. Was ist mit Elvis? Meine Meinung ist knallhart: DAS ist DEFINITIV die SCHLECHTESTE Darbietung, die Du jemals von Elvis gehört hast. Der Mann ist einfach im wahrsten Sinne am ENDE!

Schon bei "See See Rider" wird klar: Für das CBS Special hat der kränkelnde Sänger sich noch AM RIEMEN gerissen! Das hier, ohne Kameras und nachhaltigen Öffentlichkeitsdruck ist einfach die Katastrophe schlechthin und der Tiefpunkt jeglicher Musikalität. Da klappt wirklich KEIN Lied mehr. Normalerweise weiß man, dass Elvis in den letzten Monaten Songs nur noch runternuschelte. Hier jedoch, lallt er sie regelrecht ab, bis zum scheinbar ersehnten Konzertende.

Es gibt aber auch Highlights.

Es ist beinahe ironisch, dass ein Titel, den man mit Elvis' Kindheitstagen und damit absoluten Gesangs-Anfängen verbindet, an so einem "Final" Tourday Erwähnung findet.
Elvis hat angesichts seiner geistigen und physischen Abwesenheit noch ein paar Sinne zusammen und muss fast schon loslachen, als zu Anfang des Konzertes jemand einen hochgradig seltenen, aber besonderen Titelwunsch äußert. "Oh, nein, "Old Shep" sang ich, als ich 8 war...", war Elvis' Antwort.

Es lohnt sich also, wenn man noch auf der Suche nach was halbwegs Besonderem im unübersichtlichen Soundboard-Dschungel ist, diese Aufnahme, die bis heute wohl für ein Soundboard-Recording des Indianapolis-Gigs als Alternative dienen muss.
Musikalisch sicherlich nicht, aber musikhistorisch ist das eine besondere Dokumentation, die einfach deutlich nahelegt, dass es 1977 steilbegab ging, und zu dem späten Zeitpunkt aber leider auch GAR nichts mehr an aufkeimender Inspiration, Energie und damit Hoffnung zu entdecken war.
Letzte Änderung: 27.08.2012 10:51 von Teddywife.

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27.08.2012 17:50 - 27.08.2012 17:51 #873145 von Colonel

Teddywife schrieb: Musikalisch sicherlich nicht, aber musikhistorisch ist das eine besondere Dokumentation, die einfach deutlich nahelegt, dass es 1977 steilbegab ging, und zu dem späten Zeitpunkt aber leider auch GAR nichts mehr an aufkeimender Inspiration, Energie und damit Hoffnung zu entdecken war.


Ich will in keinster Weise "verharmlosen" oder gar eine andere meinung manifestieren. Elvis war 1977 auf der Bühne an seinem Tiefpunkt angelangt. Es ist jedoch nicht korrekt, wenn man behauptet, dass er 1977 nichts mehr auf die Reihe bekommen hat bzw. nur noch schlechte Shows/Darbietungen ablieferte.
Ich finde die Spring Tours FTD belegt, dass Presley TROTZ seines schlimmes Gesundheitszustandes noch immer in der Lage war "solide" Nummern abzuliefern. Sicher war auch da keine Version zu hören, die man als die beste seiner Art bezeichnen könnte, aber neutral betrachtet, würde sicher kein "Nicht-Fan" beim Hören dieser Scheibe den fertigen 77er Elvis vor Augen haben.
Weit unter seinem Niveau und auch kein Vergleich zu seinen Glanzzeiten, aber dennoch gut genug, um besser zu sein wie der Durchschnitt...
Natürlich war das Verhältnis umgekehrt. Lieferte er in seinen Glanzzeiten nur Top Auftritte und die "Gurken" waren absolute Aufnahmen, so darf man dies 1976 und besonders 1977 anders herum formulieren... aber er konnte noch immer, wenn es ihm gut ging und er es nur wollte...leider waren diese Momente viel zu selten...
Letzte Änderung: 27.08.2012 17:51 von Colonel.

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27.08.2012 21:14 #873188 von fronk
Wobei man nicht vergessen sollte, bei der Spring Tours hat man schon die besten Versionen zusammen gekratzt und diese waren schon unter Durchschnitt. Ich habe vorhin mal in die erwähnte Show vom 24. Juni 1977 reingehört. Da kann es einem schon die Tränen in die Augen treiben …

Don’t worry, be happy!

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27.08.2012 21:30 - 27.08.2012 21:52 #873193 von Teddywife
Das sehe ich nicht so wie Colonel. Sinn meines Threads war, darauf aufmerksam zu machen, dass es tatsächlich schon eine anhörbare Aufnahme gibt eines der tatsächlich letzten Gigs, noch NACH dem CBS Special. Und diese zeigt, dass Elvis kaum schlechter war, als Ende Juni. Es ist einfach angesichts dieser Aufnahme fast schon die Schlussfolgerung, dass er im August starb. Denn auch wenn es makaber klingt, schlechter, als bei diesem Auftritt kann nur noch "tot" sein.

Auch die Springtours beinhaltet eine gewisse Falle, in die Nichtmusiker oder Fans mit weniger musikalischem Verständnis tappen können. Der Sound der CD ist eben besonders gut und es ist qualitativ die beste Aufnahme, die es bisher von 1977 gibt, wenn nicht sogar eine der Besten überhaupt. Das KANN darüber hinwegtäuschen, wie mistig die Darbietung war, ermöglicht aber vielleicht genau das Gegenteil. Denn hier hat man durch die Qualität der Aufnahme erstmals die Möglichkeit gehabt, das Wesentliche zu erleben. Und auch da war es wirklich nicht gerade eine Sensation. Eine guter Sound macht kein gutes Konzert. Ich würde sogar sagen, es ist unterdurchschnittlich, was man da hört. Denn der beste Sänger und talentierteste Profi, der auf so einem Niveau Performance abliefert, ist nicht mehr der Durchschnitt, sondern ein Fall für den Ruhestand.

Elvis 1977 ist so grooveless und blutleer, es strotz vor Unwohlsein des Initiators, dass man beim Anhören schon Depressionen kriegt. Dabei zeichnete den wahren Elvis, der gesunde, junge, athletische Musiker besonders aus, gute Laune und Begeisterung auszulösen. Man hat bei diesen Aufnahmen oft auch den Eindruck, dass Elvis seine Band mit herunter zog und jeder Einzelne schleichend eine Spielträgheit mitbrachte, um unbewusst dem Frontmann das Leben so leicht wie möglich zu machen. Die TCB Band spielte nur noch "mit" und riss alles genauso routiniert runter, wenn auch auf immer hohem spielerischen Niveau. Aber dabei völlig auf sich alleingestellt und überhaupt nicht mehr, weil sie ein "King" vorne auf der Bühne dazu anstachelte.

Die Madison-Soundboardaufnahme hat auch etwas "Elvis-apokalyptisches". Noch nie hörte ich "See See Rider" so herausgeschrien, wie bei dem Konzert. Und noch nie die Ansage zu "And I Love You So" so traurig und bemitleidenswert, dass es einem wehtut. Und auch wenn Elvis einem Fan den Gefallen tat, und den Songwunsch "One Night" erfüllte, habe ich noch nie so eine grässliche, schwächliche Krächzerei aus Elvis' Kehle vernommen, wie in dieser Version.

Und Elvis, der selten Töne nicht traf, sang wohl auch nie so oft schief, wie bei diesem Konzert. Hört es Euch an und überzeugt Euch davon selbst. Die Tour im August 77, die oft als "das zweite Comeback" glorifiziert wurde, wäre sicher keines geworden.
Letzte Änderung: 27.08.2012 21:52 von Teddywife.

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29.08.2012 11:33 - 29.08.2012 11:38 #873270 von Wisdomy
Hm. Ich möchte mal ein anderes Beispiel einwerfen, ohne jetzt direkt in die Diskussion mit einsteigen zu wollen, wie gut oder schlecht Elvis 1977 war.

Eines verstehe ich nicht.
Elvis in Concert = Zusammnenschnitt. Soweit bekannt.

Nachdem ich das Rapid City Konzert aber einmal komplett gesehen hatte, habe ich die Welt nicht mehr verstanden. Elvis war in diesem Konzert um Längen besser, als in dem EIC Zusammenschnitt. Wieso man Elvis bewusst schlechter darstellte, als er war, ist mir ein Rätsel.
Rapid City ist nur am Anfang schwerfällig, doch Elvis wacht zusehends auf. Ich hatte hier mal vor Jahren einen ellenlangen Beitrag dazu gepostet, den ich nicht mehr finde. Elvis ist ab der Mitte sogar richtig gut und zeitweilig großartig, er ist richtig gut aufgelegt und erinnert einen in seiner Lockerheit und körperlichen Beherschung unwillkürlich an 1970, jedenfalls ist das schwerfällige und monotone Gehabe was man sonst so kennt aus 1977 im zweiten Drittel der Show völlig verflogen.

Neben einigen AR Mitschnitten dokumentiert zum Glück ausgerechnet eine professionelle Aufnahme, das Elvis auch 1977 zu mindestens durchschnittlich guten Aufnahmen fähig war.

Wenn also EMJ ein EIC Classic Album macht, dann hoffe ich das wir das komplette Rapid City Konzert bekommen.

Die Spring Tours taugt als dokumentarische CD mit erstaunlich guter Tonqualität eines 4-Track-Soundboards, zu mehr aber nicht. Ausgerechnet die Songs, in denen alles wieder da ist und Elvis perfekt singt, haben eine scheiss Vocalabmischung: Fairytale und Mystery Train. Lediglich noch Blue Christmas ist eine echte Bereicherung, und die letzten 3 Songs sind gut - die aber bekannt sind. Alles andere tut mir in der Seele weh, zu hören. Als ich die CD bekam freute ich mich wahnsinnig endlich eine Stereo 77er Version von Bridge Over zu bekommen, aber habe dann in der Hälfte des Songs abgebrochen. Es war unerträglich für mich. Was für ein Abstieg im Vergleich zu den grandiosen 70er Aufnahmen. Die CD enthält zwar eine bessere My Way Version als EIC, weil Elvis hier zumindest nicht das Ende verpatzt, aber die - jedenfalls für mich - noch bessere Version mit dem kurzen gesprochenen Teil, die auf der Spring Time Tours zu hören ist, ist hier nicht drauf.
Ich hoffe, das EMJ die fürs Classic Album aufgehoben hat, neben vielleicht noch 3 oder 4 anderen Perlen.
Letzte Änderung: 29.08.2012 11:38 von Wisdomy.

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29.08.2012 12:26 - 29.08.2012 12:44 #873272 von Teddywife
Ich bezweifle schon lange, dass die Leute, die an der technischen Umsetzung des CBS Specials beteiligt waren, überhaupt wussten, wer Elvis Presley war! Das habe ich schon einmal im Forum angesprochen und wie hier üblich, hat sowas Interessantes aber wieder keinen gejuckt, obwohl es eigentlich ein Wahnsinn ist.

Guck Dir in der CBS Special Version "You Gave Me A Mountain" an. Im Chorus an einer Stelle, an der Elvis seine "Ruder"-Armbewegung im Rhythmus der Schlagzeug-Fills zum Besten gibt, würde der "Normalfan" ergriffen sein.

Die CBS-Idioten schneiden an der Stelle Publikumaufnahmen hinein, die in den ersten Reihen Frauen zeigen, die sich totlachen. So entsteht absichtlich der Eindruck, die hätten Elvis für diese Bewegung ausgelacht!

Der Ausschnitt gehört an ganz andere Stelle und das zeigt, dass das Absicht war und dem für den Schnitt verantwortlichen CBS-Mitarbeiter kann man somit eine fragwürdige Interpreation eines Elvis-Auftritts attestieren!


Ich bin der Meinung, Elvis hat sich für das CBS Special noch bewusst zusammengerissen und damit bewiesen, dass er zu mehr, als dem dabei gebotenen nicht mehr in der Lage war. Nachdem die Kameras verschwunden waren, zeigte er seine wahre Lust auf den ganzen Mist wieder und das ist auf der hier genannten CD hörbar.
Letzte Änderung: 29.08.2012 12:44 von Teddywife.

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