Before Sunrise / Before Sunset

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28.02.2005 10:01 #321785 von Copperhead
Before Sunrise / Before Sunset wurde erstellt von Copperhead
Im Zuge des "zweiten Teils" jetzt endlich auf DVD :wub: ...

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Trotz berechtigt glänzender Kritiken für seine beiden ersten Filme 'Slacker' und 'Dazed and Confused' (mittlerweile auf Video gestartet unter dem innovativen Titel 'Confusion - Sommer der Ausgeflippten') ist Richard Linklater ein deutscher Kinostart bislang versagt geblieben. Jetzt dürfen auch deutsche Fans Hollywoods bestgehütetes Geheimnis entdecken: Sein 'Before Sunrise' ist eine Filmromanze von ganzem Herzen, die diesen Titel ehrlich verdient und sich wohltuend von den mit Zuckerguß überzogenen Lovestorys der Traumfabrik abhebt. Bei Linklater beißt die Realität tatsächlich: Lange ist es her, daß die Hauptfiguren eines amerikanischen Films so wahrhaftig waren wie Jesse und Celine, die smarten, wortgewandten und sympathischen Helden von 'Before Sunrise'. Aber Linklater hat nicht nur den Finger am Puls der Zeit, sondern auch ein stets offenes Ohr für den Rhythmus von Sprache. Er ist so verliebt in die Dynamik von Gesprächen, daß er diesen Bummel durch Wien ganz in ihren Dienst gestellt und dafür auf dramatische Entwicklungen fast völlig verzichtet hat. Das Faszinierende daran: Keine Sekunde kann man die Augen von der Leinwand abwenden. Wenn Jesse und Celine - von Ethan Hawke und Julie Delpy perfekt dargestellt - ihre Gedanken über Liebe, Leben, Tod und alle denkbaren existentialistischen Probleme offenbaren, dann lauscht man gebannt. Kein Wunder, daß die beiden sich bei ihrem Verbalmarathon ineinander verlieben - dem Zuschauer geht es als Außenstehender nicht anders, so vertraut und natürlich klingen ihre Gespräche.

In einem Zugabteil lernen sich Jesse und Celine kennen. Er ist ein Amerikaner auf dem Weg nach Wien, von wo aus er am nächsten Tag seinen Heimflug antritt. Sie ist eine Französin, die gen Paris reist. Beide sind voneinander fasziniert. Also lädt Jesse Celine ein, die Stadt mit ihm zu erkunden. Sie akzeptiert - und das ist auch schon die Handlung des Films, der mit Jesses Abflug endet. Nicht von ungefähr sind die beiden reizenden Hauptfiguren amerikanischer und französischer Herkunft. Auch Linklaters Film ist ein franko-amerikanischer Brückenschlag, der in Stil und Struktur von Altmans spielerischen Studien und Rohmers intelligenten Konversationsstücken beeinflußt ist. In langen Einstellungen hält er die Entdeckungsreise einer Stadt fest, die sich elegant durch Plattenläden, Friedhöfe, Bars, Cafés, Parks und den Prater bewegt und jede Nuance des Näherkommens seiner Helden genau registriert. Das faszinierend differenzierte Spiel der Stars hält die wagemutige Konstruktion Linklaters bombenfest zusammen: Diesem unprätentiösen Generation-X-Traumpaar werden auch die deutschen Kinogänger nur zu gerne durch das sommerliche Wien folgen. [Blickpunkt: Film]

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Ein Wiedersehen mit den Gewinnern des Silbernen Bären 1995: Richard Linklater drehte das Sequel zu seinem Generation-X-Kultfilm 'Before Sunrise': Neun Jahre, nachdem sich Jesse und Céline in Wien trafen, begegnen sie sich in Paris wieder und verbringen eine Stunde vor Sonnenuntergang miteinander. Gemeinsam mit Linklater verfassten Hauptdarsteller Ethan Hawke und Julie Delpy das Drehbuch und füllten dies mit nicht weniger als all den Erfahrungen, die zwei Menschen im Laufe von knapp zehn Jahren sammeln können.

Einstellungen ohne Schnitt so lang wie der Redefluss von Julie Delpys Céline, Gesprächswendungen so komisch wie die Grimassen von Ethan Hawkes Jesse, ein ungeschminkter realistischer Blick vor wie improvisiert wirkenden Drehorten mit nicht weniger improvisierten Dialogen und der Reduktion der Handlung auf die Unterhaltung von zwei jungen Menschen - was 1995 noch so aufregend war wie die erste Liebe hat heute eine Reife und Sicherheit, die nicht perfekter das Ergebnis dessen sein könnte, was ein Mensch in den entscheidenden Jahren seiner Jugend erfährt, bevor er die Dreißig überschreitet. Julie Delpy, Ethan Hawke und Richard Linklater sind, um ganz genau zu sein, neun Jahre älter geworden, seit sie mit der hinreißend wahrhaftigen und geschwätzigen Generation-X-Lovestory damals ebenfalls im Wettbewerb der Berlinale allesamt auf sich aufmerksam machten. Das so nahe liegende Sequel, auf das jeder hoffte, der wissen wollte, ob sich der sympathische, lustige junge Amerikaner und die schöne, intellektuelle Französin mit den kommunistischen Ansichten nach ihrer romantischen Zufallsbegegnung in Wien vielleicht eines Tages wieder treffen würden - hier ist es endlich, lange geplant und zu einem Werk gewachsen, dass die Spontaneität, Wahrhaftigkeit und Unmittelbarkeit einer zutiefst romantischen Begegnung hat, die selbst Sofia Coppolas 'Lost in Translation' fast in den Schatten stellt.

Erstaunlicherweise war das Budget von Linklater, der gerade mit der Komödie 'School of Rock' die Kinokassen musikalisch klingen lässt, geringer als das seines ausgezeichneten ersten Teils. An nur 15 Tagen wurde 'Before Sunset' in Paris gedreht, am Drehbuch schrieben Delpy, Hawke und der Regisseur weit länger, beschränkten sich auf weniger Szenen, eine kürzere Laufzeit, verzichteten komplett auf Nebenfiguren - hier geht's nur noch um die beiden Soulmates und die Frage, was aus ihnen und ihrer Freundschaft geworden ist. Haben sie einander vergessen? Was bedeutet beiden die Begegnung? Dem Amerikaner Jesse nicht weniger, als dass er darüber gleich einen Roman geschrieben hat und sich damit nun auf Lesereise in Paris befindet; der Französin Céline so viel, dass sie ihn nach dem Lesen der Ankündigung in der Buchhandlung aufsucht. Eine knappe Stunde bleibt beiden, bis Jesse zurück in die Heimat fliegen soll und beide am Ende des Tages nach einem Spaziergang durch die Gassen von Paris in Célines Wohnung einer Aufnahme von Nina Simone lauschen. Dazwischen: Reden. Über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, über Sex, Buddhismus, Umweltkatastrophen - und über das, was zwei Menschen Anfang Dreißig am meisten beschäftigt, ihre Beziehungen. Und wieder ist es wie beim 'ersten Mal': Die Unterhaltungen, die Wortgewandtheit und der Wortwitz, die Dynamik, mit denen Delpy und Hawke von einem Thema zum nächsten wechseln, die Begeisterung und Leidenschaft, die man nur in Gesprächen mit einem vertrauten, gleichgesinnten Gegenüber zum Ausdruck bringen mag - all das ist einmal mehr so anziehend, dass selbst das sommerliche Paris hinter den Figuren vollkommen egal wird. Keinen Moment will man verpassen, keinen Blick, keine Berührung, kein Wort der beiden Seelenverwandten. 'Before Sunset' macht alles richtig, hat das richtige Timing und Tempo, das richtige Maß, mit dem Erinnerungen an Teil Eins aufgefrischt werden, das Ohr am Puls der Zeit und seiner Charaktere, ist entspannt und unprätentiös und weniger altklug im Verbalmarathon der Figuren, die damals noch Anfang Zwanzig jetzt in einigem vorangekommen, in vielem ratloser sind als früher. Mehr muss gar nicht verraten werden über diesen kurzen Ausflug mit zwei alten Freunden - 'alles Weitere wäre schließlich', um mit Linklater zu sprechen, 'für'n Arsch'. Was bleibt ist schon jetzt der sehnliche Wunsch nach Teil drei - um am Morgen danach dabei sein zu können. [Blickpunkt: Film]

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28.02.2005 10:30 #321793 von Donald
Donald antwortete auf Before Sunrise / Before Sunset
Ich habe sie beide. :up:

Den ersten sah ich damals im Kino und war - wie Millionen anderer Kinogänger auch - sofort verliebt in Julie! :wub:

Ende letzten Jahres (?) kam dann "Teil 2" und das Kino meines Vertrauens zeigte netterweise beide Filme. Seufz. Julie ist älter geworden. Und ich habe mich schon wieder verliebt. Wenngleich mir das Sequel nun noch wortlastiger vorkam als Teil 1, was mir irgendwann etwas viel wurde. Aber als die gute Frau am Ende des Filmes in ihrer Bude dem Herrn Hawke dieses unsagbar schöne Liebelied vorsingt und dazu die Saiten ihrer Klampfe bemüht, war es endgültig um mich geschehen und ich kaufte mir sogleich die dazugehörige CD. Ein Kauf, den ich auch noch keine Minute bereut habe... :wub:

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