file "The 2024 '1974 Elvis Experience' Experience" hebt ab!

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29 Feb. 2024 08:42 #975833 von Rider
Mein Freund etp und ich haben uns anlässlich des 50. Jubiläums des außergewöhnlichen Tour-Jahres 1974 ein besonderes Projekt vorgenommen. Nach Aloha from Hawaii fing die Elvis-Mania richtig an. Als ich neulich in einem Bericht las (leider weiß ich nicht mehr wo), man könne sich nicht vorstellen, welche Elvis-Craze 1974 herrschte und dass - sinngemäß - praktisch überall, wo er hinkam, die Leute austickten und die Konzerte innerhalb von Stunden ausverkauft waren, dachte ich mir: Das musst du miterleben! Natürlich kann ich das niemals mehr so erfahren, wie die Menschen damals, aber ich kann es versuchen.

Also haben wir uns vorgenommen, dieses außergewöhnliche Jahr zu begleiten. Nicht nur, dass Elvis 1974 (157) nach 1973 (180) die meisten Auftritte in einem Jahr überhaupt absolvierte; Wie sehr der Fokus auf der Live-Performance lag, lässt sich auch daran beobachten, dass er zum ersten und einzigen mal nach 1959 nicht im Studio war. Es sind auch einige der legendärsten Shows mit dabei, u. a. seine Rückkehr in seine Heimatstadt Memphis im März, aber natürlich auch die Opening und Closing Night des Summer Festivals. 

Wir werden also jede offizielle Veröffentlichung anhören sowie jedes inoffizielle, aber essentielle Soundboard (SB) und Audience Recording (AR), wenn nötig (Beispiel Memphis, das komplett auf SB bzw. Multi-Track [MTK] verfügbar ist mit einer Ausnahme, die nur als AR vorliegt). Ziel soll es sein, die Konzerte nach Möglichkeit am Tag ihrer Aufnahme zu hören. So geht es morgen beispielsweise mit dem ersten Tour-Date des Jahres in Tulsa los, zu finden auf der großartigen FTD Sold Out! 

Weitere Bedinung der Experience ist es, das Konzert ohne Unterbrechung und lediglich einmal anzuhören, also so, als wäre man damals dabei gewesen. Selbst für Klogänge oder zum Bierholen darf es nicht unterbrochen werden, eben wie "in Konzert(c)". Im Anschluss - oder meinetwegen auch mittendrin - kann man Aufzeichnungen machen, aber es darf nicht noch einmal angehört werden. Dann folgt der nächste Stop. In der Zwischenzeit soll hier darüber berichtet werden, über Repertoire, Stimmung, Performance und sonstige (außergewöhnliche) Vorkommnisse (Beispiel: Publikumsreaktionen, Monologe). 

Und wenn alles gut geht, dann ist mit der Closing Night in Las Vegas Anfang September bzw. spätestens mit dem Tour-Start in College Park am 27.09. alles erledigt. Exakt an diesem Tag endet meine Ausbildung (hoffentlich kein schlechtes Omen :schwitz:).

Wer Bock hat, kann gerne mitmachen und seine / ihre Eindrücke hier schildern und gemeinsam erleben. Ich habe super Bock auf diese Sache, das wird ein Hammer-Jahr! Und gleich zu Beginn einmal die Frage, ob mir jemand(e) ein Rezensions-Exemplar der Closing Night vom 9.02. zur Verfügung stellen könnte (gerne PM).

Also, lasst die Spiele beginnen! 

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29 Feb. 2024 14:42 #975837 von Rider
Bevor das Tour-Jahr 1974 am 1.3. beginnen sollte, schlug Elvis fünfeinhalb Wochen zuvor am 21.1. in Las Vegas auf. Ab dem 24.1. folgten drei Tage Proben für sein zehntes Engagement in Las Vegas seit 1969. Es war das erste, das auf Dr. Nicks Drängen hin statt über vier Wochen nur noch über zwei Wochen lief.

Überhaupt war dieses Gastspiel etwas wie ein Comeback. Elvis schloss sein vorheriges Engagement am 3.9.1973 nicht nur mit einer kuriosen Show ab, an deren Ende er das Management des Hilton beleidigte und zur Hölle wünschte, sondern feuerte außerdem direkt im Anschluss den Colonel - für ein paar Wochen zumindest. Im Anschluss fand am 9.10. seine Scheidung statt. Zwei Tage später (die Psychosomatik lässt grüßen) hat er Atemprobleme auf einem Flug nach Memphis, wird dort vorerst behandelt, bevor er am 15.10. wegen der schweren Atemprobleme ins Krankenhaus eingeliefert wird. Zu diesem Zeitpunkt war Elvis nach einer sechsmonatigen "Kur", die aus der absurden Kombination von Akupunktur und der Gabe von Demerol (einem Opioid) bestand, hochgradig abhängig geworden. Sein Zustand während der Juli-Sessions bei STAX und womöglich auch seine bizarre "Closing Night" im September mögen ihren Grund auch darin haben. Ein schwerer Zwischenfall Ende Juni in St. Louis hätte ihn ebenfalls fast das Leben gekostet, wäre er nicht kurzerhand vom eilends herbeigerufenen Dr. Nick gerettet worden. Letzten Eendes kann man also froh sein, dass es nicht schon 1973 zu Ende gegangen ist.

Nach einem Entzug und einer Pause, die nur von einer hochgradig gelungenen und produktiven zweiten STAX-Session im Dezember 1973 unterbrochen war, kehrte er also nach viereinhalb Monaten ausgesprochen erholt nach Las Vegas zurück. Der Opening Night, die ursprünglich am Freitag, den 25.1. stattfinden sollte, aber wegen Frank Sinatras "Comeback" im Caesar's Palace um einen Tag verschoben wurde, folgte am selben Tag noch eine M/S. Am folgenden Tag gab es deshalb nur eine Show um 22 Uhr, veröffentlicht auf I Found My Thrill (FTD 2006) und war die erste offizielle VÖ aus diesem Engagement. Es folgte im letzten Jahr das FTD 3-CD-Set Let Me Be There mit der D/S vom 28.1., also der Show direkt nach "Thrill", sowie den M/S vom 29.1. auf CD 2 und vom 1.2. auf CD 3.

Mit diesem Set nun fung ich an, mich dem Engagement und dem Jahr 1974 zu nähern.

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29 Feb. 2024 16:45 #975840 von Mike.S.
Was ja auch nett wäre, wenn das wie damals mit Audio-Beiträgen untermalt wird.  Forums-Link
Würde gerne mal wieder was hören.  

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29 Feb. 2024 18:29 - 29 Feb. 2024 19:15 #975844 von Kay65
Hier eine Übersicht als Screenshot welche Shows es von der März 1974 Tour als CD bzw. CD-R gibt. 
( Quelle: Elvis on CD, The Elvis Information Network, Elvis in Concert ) 

 
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29 Feb. 2024 18:57 - 29 Feb. 2024 19:00 #975845 von Taniolo


Hier im Video geht es zwar nicht nur um Tulsa 1974, aber eben auch. Das ist vielleicht auch mal ganz interessant, einen Blick auf den damaligen Auftritt im Zusammenhang mit dem Venue zu werfen.

 
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29 Feb. 2024 19:38 #975846 von Mike.S.
Zu Kays Bildern. Das sind also zuerst die CD Bootlegs, dann die FTDs und dann die CDR-Bootlegs. Kompletter geht's eigentlich nicht. Als Ergänzung noch die Tabelle ohne CDRs, also nur Bootlegs und FTDs, ebenfalls von der Elvis in Concert Seite, damit man die Cover auch noch sieht. 

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01 März 2024 08:33 #975852 von Taniolo
Ich hoffe, ich schweife mit der nachfolgenden Einstimmung nicht zu sehr ab. Falls dem so sein sollte bzw. der Eindruck bestehen sollte, möge ein Mod bitte dieses Posting in den OT verschieben.
Ich dachte lediglich, es wäre eine schöne Einstimmung für Rider, schließlich ist bei ihm heute Tulsa Time


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01 März 2024 09:15 #975853 von ronb57
Elvis Jumpsuit-Index 1974 (Quelle Elvis Presley in Concert):

www.elvisconcerts.com/jumpsuits/jump1974.htm
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02 März 2024 18:49 - 02 März 2024 19:13 #975863 von Rider
ELVIS live in Tulsa, Oklahoma, March1st, 1974 - Oral Roberts University

Los ging's also gestern Abend um 21:00 Uhr. Laut Booklet der übrigens sehr nett gestalteten (aber das soll hier nicht Thema sein) FTD Sold Out! trat Elvis seinerzeit um 22 Uhr auf. Und anders als das Publikum damals wusste ich bereits nach Einlegen der CD, wie lange der Spaß dauern würde. 52 Minuten und ein paar Zerquetschte. Ziemlich mau für eine Stunde Vorprogramm. Aber das muss mich ja nicht interessieren, ich sitze 50 Jahre entfernt in meinem Musikzimmer und mache es mir gemütlich.

Mit den erstem Klängen von 2001: A Space Odyssey wird klar, dass wir es hier mit einem verdammt gut klingenden Mitschnitt zu tun haben. In der Folge stelle ich fest: Es ist der beste Soundboard-Mitschnitt, den ich kenne (und nein: Old Times They Are Not Forgotten ist nicht besser ;)). Ich kann nicht glauben, dass das hier von MC stammen soll. Es klingt praktisch wie das Memphis-Konzert, nur eben in Mono. In den Höhen etwas schrill, wenn alle losschmettern, klingelt's ein bisschen in den Ohren. Aber das ist auch alles. Ansonsten von der Tonalität her nicht schlechter als manch andere offizielle VÖ wie sagen wir mal On Tour... Entweder ist das eine extrem gut aufgenommene und danach extrem gut behandelte und gelagerte CD oder vielleicht doch Reel-to-Reel. Wer weiß es schlussendlich? 

Elvis stürmt also los ins erste Tour-Konzert seit... Ja, seit wann eigentlich? Ich schaue nach. 3. Juli 1973 (Bootleg Live at the Omni). Wow, denke ich, acht Monate, danach nur noch Vegas,  im Sommer '73 vier Wochen und "jetzt" im Januar/Februar zwei. Und dann gleich die bis dato längste Tour überhaupt. "Fifteen different cities in 15 nights...", höre ich Jackie Kahane in Elvis On Tour in meinem Kopf sagen. Hier ist er 20 Tage unterwegs, fast drei Wochen, 24 Konzerte, wenn auch in insgesamt weniger Städten (14). Aber nach acht Monaten wieder auf Tour gehen und das nur frei Tage weniger als im Jahr 1973 insgesamt (23), das ist schon eine Hausnummer, und zeigt, wie groß die Nachfrage und die Elvis-Mania 1974 gewesen sein muss. Klar, 1973 dürfte sich die Ausstrahlung von Aloha From Hawaii  im April kaum auf eine Tour im April niedergeschlagen haben. Und die paar Tage im Juni und Juli 1973 waren die einzigen Gelegenheiten, die die möglicherweise angefixten Fans Elvis außerhalb von Las Vegas und Tahoe sehen konnten.

Nach acht Monaten also wieder eine große Halle. 11.575 Zuschauer sind nicht gerade der Houston Astrodome, aber eben auch nicht Las Vegas. Und das Publikum ist ein anderes. Entsprechend nervös wirkt Elvis. Nicht im Augenblick, er klingt nicht so nervös wie während der ersten Titel in "Aloha", die Souveränität hat er danach vermutlich. Aber im Ganzen ist es ein Schnellschuss (s. CD-Länge). Er hetzt gefühlt durch die Titel wie zuletzt im MSG. Das Ende von See See Rider wirkt bereits abgehackt. I Got a Woman erfährt nur einige kurze "Wells" bevor es losgeht, kein kleiner Chat mit dem Publikum. Er belässt es bei einer Version von JD Sumners Nummer und geht direkt ins "Elvis Ending" über. Danach ist schon recht viel los in der Halle, man hört es selbst auf dem Soundboard. Von einer professionellen Aufnahme ist das nicht mehr weit weg.

Elvis begrüßt kurz das Publikum und attestiert ihm schon jetzt "You're really outa sight!" Also, da scheint sich schon etwas zusammengebraucht zu haben. Er erwähnt auch kurz die Halle ("a beautiful place"), es muss sich bei der Halle um ein besonderes Gebäude gehandelt haben, benannt nach einem Erbauer Oral Roberts, einem TV-Prediger. 

Während Love Me ist viel los und James wirft bereits hier viele Licks ein. Überhaupt wirkt James nicht erst hier wie auf Speed. Bereits in Vegas machte er einen zum Teil übereifrigen Eindruck. JB ist überall. Im Laufe des Konzert wirft er immer wieder Licks ein, kommentiert, spiegelt, erweitert, verschnörkelt. Am Ende, bei Funny How Time Slips Away, beginnt es dann wirklich zu nerven. Ich weiß es nicht, ob es der Mix ist, aber so sehr ist es mir noch nie aufgefallen, und ich bin wirklich ein James Burton-Fan.

Love Me ist eine minimale Version von anderthalb Minuten, im Anschluss geht es direkt in das neue und in Las Vegas geprobte Trying to Get to You über, das in Las Vegas noch arg holprig klang, hier aber bereits die Version aus Memphis angenommen hat. 

Was folgt, ist eine Besonderheit. Von Sweet Caroline existieren, man glaubt es kaum, lediglich drei Tour-Versionen seit seiner "Wiedereinführung" in Las Vegas einen Monat zuvor. Nämlich zwei aus Tulsa am 1. und 2.3. und eine vom 5.3. in Auburn. Heute würde jeder Künstler diese Hymne mit auf Tour nehmen, je größer die Halle, umso besser. Elvis scheint es anders gesehen zu haben, und beschränkte die Aufführung auf Vegas und Tahoe. Was nicht bedeutet, dass wir es hier nicht mit einer exzellenten Live-Version zu tun haben. Mir wurde "Caroline" immer zu schnell, das ging bereits im August 1970 los und war auch im Januar/Februar 74 nicht anders. Hier spielt er eine wunderbar ruhige und erstklassige gesungene Version, die exakt klingt wie von On Stage, aber gesanglich etwas mehr ausgeschmückt und reifer. Im Anschluss hatte er das Publikum - und auch mich. :wub: Dabei wäre ich gerne im Publikum gewesen, und es geht auch hier hörbar die Post ab, noch während des Songs.

Direkt weiter zu Love Me Tender. Auch hier heftige Publlikumsreaktionen in einer sehr kurzen Version, kein Tonartwechsel und nichts. Im Anschluss lässt James bei Johnny B. Goode alles raus, überschlägt sich schon beim Intro und gibt auch sonst alles. Aber eine coole Version, um Längen besser als die etwas steril wirkende Version aus "Aloha". 

Elvis kündigt Hound Dog mit "And then I wrote..." an, aber keine weitere Einführung. Schnelle Version mit jeder Menge Licks und einem Ende noch ohne das Orchester-Beteiligung. Im Anschluss dann schnell weiter zu Fever und damit einem Song, von dem ich erst durch das Hören der Vegas-Aufnahmen wirklich realisiert habe, wie besonders er war und welche Reaktionen er im Publikum auslöste. Auf den ARs teilweise irre zu hören, aber auch hier heftige Publikumsreaktionen, irre für ein Soundboard. Der Song muss echt der Bringer gewesen sein und gehört übrigens zu einem der meistgespielten Titel überhaupt. Ist mir erst jetzt bewusst geworden. Und ich weiß nicht, ob es jemandem aufgefallen ist, aber es fehlen All Shook Up und Teddy Bear / Don't Be Cruel und niemand scheint es zu vermissen.

Schon geht's weiter zum zweiten Höhepunkt (nach "Caroline"), Polk Salad Annie.Ich muss sagen, seitdem ich die ARs aus Vegas gehört habe, habe ich meinen Frieden mit Duke Bardwell gemacht. Im Publikum klingt er deutlich besser und sogar so etwas wie "funky" als auf Soundboard. Von der Geschwindigkeit ist das etwas zwischen On Stage und späteren Versionen, natürlich ohne Einleitung, aber nicht ganz so schnell und "punkig" wie beispielsweise im MSG. James lässt wieder alles raus. Nach dem Vollgastitel folgt etwas, das nur Elvis bringen konnte. Er lässt JD Sumner & The Stamps einen Titel wie Why Me Lord singen. Wie verrückt ist das? Zwischen Polk Salad Annie und Suspicious Minds. Hat mich immer fasziniert. Aber das Publikum geht mit beim Refrain, man glaubt es kaum. Elvis singt nur ganz am Rande mit, hier und da meine ich, ihn zu hören. Bis Memphis wird sich das noch ändern.

Suspicious Minds in keiner besonders erwähnenswerten Version, die 74er Versionen gefallen mir persönlich generell nicht (mehr). Diese hier ist, wer hätte es geglaubt, sehr kurz. Es folgen die Introductions, bei denen Elvis erstaunlich außer Atem ist. Was mich wundert ist, dass er Voice vorstellt mit "Would you say hello to Voice once again..." In Vegas war das noch üblich, weil er sie Killing Me Softly :sick: singen ließ. Während der Intros kamen sie dann noch einmal dran. Aber hier? Einfach nur Gewohnheit oder wurde etwas rausgeschnitten? Ich glaube nicht, Killing Me Softly wäre hier komplett unpassend gewesen.

Er bringt den "Know what I can't do?"-Gag, beginnt aber trotzdem direkt zu singen. Die "Sing and drink water at the same time"-Antwort bleibt aus. Dafür kommt ein kurzes "to live in Tenn... - memory" schon hier, wo es eigentlich wenig Sinn macht. Egal. Solide Version, allerdings ohne dass er am Ende wie noch in Vegas auf "I can't stop wanting you" hoch geht bis mindestens zum b bzw. wohl eher h. Es ist wahnsinnig hoch. Hier zeigt sich der Profi, der zu Beginn der Tour noch seine Stimme schont oder sich nicht sicher ist, dass es klappt. 

Im Anschluss der dritte Höhepunkt, zumindest für mich. Help Me im Duett / in Begleitung von Sherrill Nielsen. Wunderschöne Version, an deren Anfang er Sherrill konkret mit Namen anspricht, ihn zu begleiten. James wirft wieder Licks ein, die hier irgendwie etwas nerven. Ist es der Mix, ich weiß es nicht... Schönes Tempo, er singt es voll aus. Andächtige Stille im Publikum. Nachdem man zuvor gehört hat, wie es abgehen konnte, ist das wohl ein Zeichen von Aufmerksamkeit.

Am Ende von "Trilogy" scheppert es etwas im Gehörgang, das sind dann die kleinen Abstriche beim Soundboard. Ansonsten nachwievor eine exzellente Aufnahme. Beim direkt folgenden Let Me Be There geht James an die Grenzen. Auch der Titel aber noch ziemlich langsam und schön ausgespielt und gesungen und mit einer Reprise versehen, die zu diesem Zeitpunkt immer noch zu überraschen scheint. Ich meine mich zu erinnern, dass es ind er Closing Night sogar zwei Reprises gab. Er scheint seinen Spaß daran gehabt zu haben und es sollte ja im Anschluss so etwas wie die "Stadion"Hymne werden, die "Caroline" hätte sein können oder heute für Neil Diamond ist. 

Saallicht und der Kommentar "You're all blacked out" und im Anschluss etwas, das ich beim besten Willen nicht verstehe. In Oklahoma holt er scheinbar seinen übelsten Südstaaten-Slang raus. Nach massenweise Licks von James kommt auch Funny How Time Slips Away zu einem Ende. Elvis bedankt sich noch einmal bei Oral Roberts und seiner Familie "for being so nice to us" und geht dann in Can't Help Falling in Love über ("especially for you").

Was bleibt? Ein von einer gewissen Hektik (selbst der Closing Vamp ist kurz) geprägtes Konzert, das zwar "short" ist, aber eben auch durchaus seine "sweeten" Momente (speziell Sweet Caroline) hat. Es ist ein Tour-Start, es ein Tour-Start nach einer langen Pause und es ist Start vor einer längeren Tour denn je. Ich kann mir vorstellen, dass das irgendwo doch einen Eindruck bei Elvis hinterließ, die alte Frage "Wollen Sie mich noch sehen?", "Werde ich alle Termine füllen?", und er einfach anfangen wollte, los wollte, den ersten Schritt hinter sich bringen. Wer kennt das nicht?

Erst recht vor diesem Hintergrund bin ich gespannt zu sehen, wie es weitergeht, wo die Stimmung kippt, denn eins ist klar: Am Ende der Tour erleben wir einen derart relaxten Performer wie kaum jemals zuvor, mit sich, seiner Karriere (und dem Leben?) im Reinen, nach einem katastrophalen Jahr 1973, das fast den schlimmstmöglichen Ausgang genommen hätte. Hier scheint er sich gefangen zu haben, gut drauf und bei Spiellaune. Es kann eigentlich nur richtig gut weitergehen.

Und zwar morgen in Houston...

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03 März 2024 20:23 - 03 März 2024 20:31 #975874 von Rider
ELVIS at The Houston Astrodome, Houston, Texas, March 3rd, 1974

Welcher Idiot kommt auf die Idee, den größten Star der Welt auf einem Viehmarkt auftreten zu lassen, als Nummer 8 unter was? Rodeo-Reitern und Lebendvieh-Auktionen? Nein, sagt nichts. Es dürfte klar sein, wer einen besonderen Gefallen hatte an dieser kirmesähnlichen Veranstaltung...

Vor einem Monat stand er auf der Bühne in der Glitzerhauptstadt der Welt mit seinem Publikum direkt vor ihm, jetzt auf einem von Matsch und Exkrementen durchweichten Boden mit dem Publikum einen Kilometer entfernt - gefühlt. Dabei macht gerade das die Elvis Presley Show aus: Der Kontakt zum Publikum. Wie fehl am Platze wirkt hier ein Love Me

Aber eines muss man Elvis lassen: Er macht immerhin gute Mine zum bösen Spiel. Er spielt extrem relaxt und erstaunlich engagiert auf. Lockerer als zwei Tage zuvor. Und während ich noch denke "How Great Thou Art mag noch funktionieren in Texas, aber wer zum Geier will Why Me Lord und Help Me hören? In dieser derben Umgebung hätte man eine Rock 'n' Roll Show machen müssen!", wird mir klar: Eigentlich hat er fast nur solche Titel gespielt. Fever wirkte irgendwie komisch in dieser Umgebung, aber die Publikumsreaktionen sprachen eine andere Sprache, als sie mit jeweils einer Sekunde Verzögerung ankamen. Warum fehlte das Rock 'n' Roll-Medley? Es wäre perfekt gewesen. Und warum startete er nicht mit That's All Right oder brachte zumindest My Baby Left Me? Wir werden es nie wissen.

Funny How Time Slips Away kommt in einer erstaunlich intimen und sehr schönen Version daher und beendet die Show standesgemäß. Es war eine kurzweilige Stunde, in der man Elvis seine vermeintliche Nervosität: "It makes one a wee bit nervous", meint er, vor diesem größten Publikum seiner Karriere aufzutreten. Naja, da schien er zwei Tage vorher irgendwie nervöser.

Eine kurzweilige Show, die Band gibt alles. Aber dass die CD so schnell wieder im Player landet, wage ich zu bezweifeln. Dass der längste Titel auf der CD der Closing Vamp ist, sagt irgendwie so einiges aus. 

Noch sind wir weit entfernt von Memphis... 

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Letzte Änderung: 03 März 2024 20:31 von Rider.
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