- Beiträge: 56289
- Dank erhalten: 275
"Golden Boy Elvis"
- Vincent-The-Falcon
-
Autor
- Offline
- ECB-Mitglied
-
- User gelöscht
-
- Besucher
-
Die Frage nach dem Warum ist mir ebenfalls unverständlich, die Antwort liegt nämlich auf der Hand. Was macht Helmut jetzt wohl mit der vielen Kohle? Für seine Autoren eine Weihnachtsfeier im Edelpuff schmeißen? Sich mit seiner Yacht auf die Caymans absetzen? Ich kann mir da nur an den Kopf fassen. Dass dieses Magazin ein reines Liebhaber-Projekt ist, das keinerlei Gewinn abwirft und im Optimalfall kostendeckend arbeitet, weiß doch wohl jeder. Ich plaudere hoffentlich kein Geheimnis aus, wenn ich sage, dass Helmut seit geraumer Zeit aus seiner eigenen Tasche draufzahlt. Nun gehört er als Rentner nicht gerade zu den Einkommensmillionären, also hat er den Abgabepreis den gestiegenen Kosten angepasst. So einfach ist das, big fucking deal.
Ich kapiere das echt nicht: Die meisten Fans/Sammler geben - ohne mit der Wimper zu zucken - 20 Euro für eine lieblos zusammengeschusterte Bootleg-CD aus, die musikalisch und soundtechnisch minderwertiges (oder gar gefaktes) Material enthält und in der Herstellung 1 Euro kostet, deren alleiniger Veröffentlichungsgrund reine Abzocke ist. Hier hingegen bekommt man für 9 Euro (bzw. 8 Euro im Abo, incl. Porto!) ein 60 Seiten starkes vollfarbiges Heft auf hochwertigem Papier, frei von kommerzieller Werbung, das eben nicht lieblos zusammengeschustert ist, sondern das Resultat von langer, mühevoller Arbeit von Fans für Fans ist - und keiner macht sich die Taschen voll, ganz im Gegenteil. Aber da wird sich wegen eines läppischen Euros aufgeregt.
Zur Frage, ob in Zeiten des Internets ein Elvis-Printmagazin überhaupt noch Sinn macht, lautet die Antwort: Kommt drauf an! Nämlich darauf, ob es etwas bietet, das das Internet nicht bietet.
Im Internet finden wir in erster Linie Quantität. Quantität heißt viel, aber auch viel Mist. Einer schreibt vom anderen ab, der Mist verbreitet sich gleich mit. Im Magazin hingegen findet eine Qualitätskontrolle statt, die das Internet nicht leisten kann. Die meisten haben keine Vorstellung davon, wie akribisch Helmut vorgeht: Jede Kleinigkeit wird mehrfach überprüft, gegengecheckt, es wird endlos diskutiert und abgewägt, zu einzelnen Punkten werden auch andere Autoren beratend hinzugezogen, die sich auf einem bestimmten Gebiet besonders gut auskennen. Das soll jetzt kein Seitenhieb sein, aber bei GBE wird man es nicht erleben, dass Begriffe wie "Remaster" und "Remix" verkehrt angewendet werden, wie man es in anderen Magazinen oder gar im Internet ständig liest.
Die ganzen Hintergrundinformationen zu den Songs, die im Magazin insbesondere Helmut liefert, findet man teilweise gar nicht im Internet. Und die man doch findet, muss man sich mühevoll zusammengoogeln und weiß dann immer noch nicht, ob sie stimmen. Rezensionen zu neuen FTDs findet man zwar im Internet, doch was liest man da? Meistens nur eine Auflistung, welche Takes wo schon mal veröffentlicht wurden (dazu braucht man aber keine Rezension, sondern bloß eine gepflegte Datenbank bzw. wissen, wo man suchen muss) und ein paar Worte zur Klangqualität - meistens von Stümpern, die gar nicht die Qualifikation haben, Musik und Sound zu bewerten, weil sie "laut" nicht von "gut" unterscheiden können und "Geschmackssache" für ein Qualitätsmerkmal halten.
Ich kann jetzt nur für mich sprechen: Ich weiß, dass meine Rezensionen auf ein geteiltes Echo stoßen: Die einen finden sie lesenwert und informativ, die anderen ermüdend. Man kann es nicht jedem recht machen, aber ich halte nun mal nichts davon, einfach nur zu schreiben, die Platte ist gut und gehört in jede Sammlung. Ich will begründen, warum eine Platte hörenswert ist, was sie besonders macht, warum sich der Kauf lohnt. Oder eben halt nicht lohnt. Wenn es um ein neues Mastering geht, dann vergleiche ich die Tracks mit älteren Ausgaben, und zwar auf meiner Stereoanlage, im Auto, sogar bei Freunden zuhause. Am Ende checke ich sie dann noch mit meinem Analyse-Programm am Rechner. Eben um nicht schreiben zu müssen: "Klingt gut, ist aber Geschmackssache." Live-Aufnahmen höre ich auf Feinheiten ab, die sie von anderen Versionen unterscheidet, die sie zu etwas besonderem macht: Ist ein lustiger Textfehler von Elvis drin, ein herausragender Gitarrenlick von James, ein cooler Bass-Groove von Jerry, ein besonders brachialer Drum-Fill von Ronnie? Ähnlich bei den Outtakes: Ich weiß, dass viele Fans sich oft nicht erklären können, warum ein doch recht gelungen wirkender Take nicht der Master wurde oder warum gar abgebrochen wurde. Mein Ansatz liegt darin, genau das zu erklären: Falscher Ton vom Bass, kleiner Patzer an der Gitarre, ein falscher Einsatz, ein misslungener Break, eine rhythmische Ungenauigkeit. Also Kleinigkeiten, die "normale" Hörer erst wahrnehmen, wenn man sie konkret darauf stößt. Wenn Elvis zwischendurch etwas sagt, dann gebe ich das nicht einfach wieder, liefere auch nicht bloß eine stupide Übersetzung, sondern versuche es zu erklären. Nicht jeder versteht gut genug Englisch oder gar den typischen Südstaaten-Slang. Vor allem geht es mir darum, die Zusammenhänge zu erklären, denn die Gags beziehen sich ja meist auf etwas musikalisches oder studiotechnisches. Ich schreibe nicht "Elvis lacht" - das hört jeder selber. Ich schreibe, warum er lacht, denn das hört nun mal nicht jeder selber.
Natürlich gibt es Fans, die sehr gut Englisch können und obendrein musikalische und studiotechnische Grundkentnisse haben. Die langweilt das, denn die wissen das schon längst. Allerdings sind das Einzelfälle, und für die schreibe ich meine Rezensionen auch nicht. Die meisten Leser wissen diese spezifischen Dinge jedoch nicht. Viele interessiert das auch nicht; denen reicht es, dass da schöne Musik drauf ist - Hauptsache Elvis singt. Einverstanden, die müssen das ja auch nicht lesen. Dann gibt es jene (und mögen sie tatsächlich eine verschwindend geringe Minderheit sein), die den Artikel aufmerksam lesen, daraufhin die CD nochmal einlegen, genau hinhören und ein viel tieferes Verständnis für Elvis' Arbeit und die vielen hörenswerten Feinheiten, die sonst untergehen, entwickeln. Genau für DIESE Fans schreibe ich meine Beiträge.
Um nochmal auf den Preis zurückzukommen: Ich sitze an so einem Artikel locker 2-3 Tage, dann folgen nochmal 1-2 Tage Diskussionen mit Helmut, um auch wirklich jeden Fehler und jeden Zweifel auszuräumen, damit jede Kleinigkeit wasserdicht ist. Ich habe für diese Arbeit noch nie einen Cent bekommen. Auch keine Vergünstigungen der Art, billiger an irgendwelche VÖs zu kommen oder umsonst zu Veranstaltungen zu reisen. Noch nicht einmal ein Rezensionsexemplar bekomme ich gestellt - die CDs, die ich bespreche, zahle ich aus meiner eigenen Tasche. Als Gastautor bekomme ich lediglich ein kostenloses Belegexamplar des Magazins, in dem mein Artikel erscheint - und das ist auch mein gutes Recht. Wenn ich dann lese, dass hier wegen einer Preiserhöhung von 1 Euro wild diskutiert und spekuliert wird, kann ich mir einfach nur an den Kopf fassen.
- User gelöscht
-
- Besucher
-
- Earth Boy
-
- Offline
- Forums Mafia
-
- Beiträge: 14864
- Dank erhalten: 1621
Außerdem ist es für mich einfach schöner so etwas in gedruckter Form vorliegen zu haben. Internet ist für mich eher für schnelle Recherche geeignet. Lange Artikel lese ich dort nur sehr ungern.Die ganzen Hintergrundinformationen zu den Songs, die im Magazin insbesondere Helmut liefert, findet man teilweise gar nicht im Internet. Und die man doch findet, muss man sich mühevoll zusammengoogeln und weiß dann immer noch nicht, ob sie stimmen.
Rezensionen zu neuen FTDs findet man zwar im Internet, doch was liest man da? Meistens nur eine Auflistung, welche Takes wo schon mal veröffentlicht wurden (dazu braucht man aber keine Rezension, sondern bloß eine gepflegte Datenbank bzw. wissen, wo man suchen muss) und ein paar Worte zur Klangqualität - meistens von Stümpern, die gar nicht die Qualifikation haben, Musik und Sound zu bewerten, weil sie "laut" nicht von "gut" unterscheiden können und "Geschmackssache" für ein Qualitätsmerkmal halten.
Mich langweilen zwar Artikel wie Dicke Zigarren und heiße Lieder oder Abhandlung über Elvis Stammbaum, aber da die Besprechungen doch den Löwenanteil im Magazin ausmachen, kann ich da gut drüber hinweg sehen.
- User gelöscht
-
- Besucher
-
Klar gibt es für jeden Leser Artikel oder Themen, die ihn mehr oder weniger interessieren. Geht mir nicht anders.Mich langweilen zwar Artikel wie Dicke Zigarren und heiße Lieder oder Abhandlung über Elvis Stammbaum, aber da die Besprechungen doch den Löwenanteil im Magazin ausmachen, kann ich da gut drüber hinweg sehen.
Nun ist GBE seinerzeit mit einem klar definierten Konzept angetreten: Das Haupt-Augenmerk liegt auf Elvis' Werk, besonders auf der Musik, und diese soll ausführlich beleuchtet werden, mit allen Hintergründen, für Musikfreunde und Sammler gleichermaßen. So ist es nur konsequent, dass Plattenbesprechungen einen Löwenanteil des Magazins ausmachen. Dadurch, dass das Magazin nur vierteljährlich erscheint und in der gleichen Periode auch die neuen FTDs auf den Markt kommen, hat sich eine sehr starke Gewichtung auf eben diese VÖs eingebürgert. Das wird zum Teil kritisch gesehen, sicher nicht unbegründet, doch was soll man tun? Würde man die Besprechungen stark kürzen, wären sie beliebig und letztendlich überflüssig, denn dann würden sie nichts anderes bringen als die Besprechungen in anderen Magazinen oder im Internet. Zum Glück schafft die "Classic-Album"-Serie von FTD auch immer eine gute Gelegenheit, ein Original-Album einmal näher zu beleuchten und vielleicht sogar in ein anderes Licht zu rücken.
GBE will mit den ausführlichen Rezensionen und Musikartikeln nicht besser sein als andere Magazine, sondern nur eine andere Gewichtung vornehmen. Es geht nicht darum zu sagen: "Ätsch, meine Rezension ist aber länger als Deine!" Es soll nur sagen: "Bei uns geht es hauptsächlich um die Musik." Das ist völlig wertfrei gemeint. Würde ein weiteres Magazin auf den Markt kommen, in dem das Augenmerk auf den Filmen liegt, dann würde man dort auch entsprechend gewichten; die Film-Besprechungen wären länger und ausführlicher als in jedem anderen Magazin. So ist es bei GBE halt mit der Musik.
Die sich häufenden kritischen Stimmen über die FTD-Rezensionen, die aus Gründen der Länge bisher auf zwei Hefte verteilt wurden, sind ja nun erhört worden: Fortan sind die Rezensionen Einteiler. Für mich bedeutete das allerdings, bei der Besprechung der "Good Times" für die kommende GBE-Ausgabe einige interessante Feinheiten und lustige Anekdötchen weglassen zu müssen. Ich bedauere das für diejenigen Leser, die genau das gerne erfahren hätten. Am Ende hat es mich mehr Zeit gekostet, das Ding kurz zu halten, als den Beitrag an sich zu verfassen. Es ist wirklich eine Gratwanderung; letztendlich ist alles ein Kompromiss für die verschiedenen Ansichten der Leser. Man kann es niemandem zu 100% recht machen.
- Earth Boy
-
- Offline
- Forums Mafia
-
- Beiträge: 14864
- Dank erhalten: 1621
Für mich nicht eine positive Entwicklung, aber ich muss wohl akzeptieren, dass ich hier eine Minderheitenmeinung vertrete.Die sich häufenden kritischen Stimmen über die FTD-Rezensionen, die aus Gründen der Länge bisher auf zwei Hefte verteilt wurden, sind ja nun erhört worden: Fortan sind die Rezensionen Einteiler.
- Danny
-
- Offline
- Flaming Star
-
- Beiträge: 943
- Dank erhalten: 86
Schade, hab mich gerade für das Abo 2010 entschlossen, bevor ich das gelesen habe.Die sich häufenden kritischen Stimmen über die FTD-Rezensionen, die aus Gründen der Länge bisher auf zwei Hefte verteilt wurden, sind ja nun erhört worden: Fortan sind die Rezensionen Einteiler. Für mich bedeutete das allerdings, bei der Besprechung der "Good Times" für die kommende GBE-Ausgabe einige interessante Feinheiten und lustige Anekdötchen weglassen zu müssen.
Bleib aber natürlich dabei und warte gespannt auf die Teile.
PS: Auch ich freue mich über MWs Comeback.
- User gelöscht
-
- Besucher
-
- HELRADER
-
- Abwesend
- Flaming Star
-
- Beiträge: 575
- Dank erhalten: 84
Gründlicher geht es wohl nicht.
- Vincent-The-Falcon
-
Autor
- Offline
- ECB-Mitglied
-
- Beiträge: 56289
- Dank erhalten: 275
Was an Gewäsch danach kam, das konnte ich nicht ahnen... Klar sind 4 Euro nicht viel. Aber nach Hartys Posting wurde auch von 2 Euro Aufschlag ausgegangen.
Ok, auch das ist nicht viel. Aber es kommt halt für Elvisfans auch insgesamt viel zusammen...