Interview mit Red West

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19 März 2003 23:00 #69774 von Heiko
Interview mit Red West wurde erstellt von Heiko
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19 März 2003 23:01 #69775 von Heiko
Heiko antwortete auf Interview mit Red West
Interview mit Red West

Übersetzung: Martin Genz
RW: Red West
HR: Helmut Radermacher
HK: Hendrik Knudsen


Teil 1:


[Ausschnitte aus Elvisfilmen werden gezeigt]

RW: Das war eine tolle Sache, das zu sehen, nach all den Jahren. Wisst Ihr, wir hatten viel Spaß in unseren Filmen. Das ist auch ein Grund, warum mein Arm nicht mehr richtig gerade wird [zeigt auf seinen Arm].
Ich habe hier eine Narbe, meinen Fuß habe ich gebrochen, aber wir hatten viel Spaß in unserem Leben und es war sehr rührend die Aufnahmen gerade zu sehen.

HR: Als erstes möchten wir Dich und Deine Frau Pat hier in Deutschland begrüßen, und besonders in Hamburg.

RW: Ich war hier vor 43 Jahren und ich freue mich mit meiner Frau nach Bad Nauheim zu fahren und ihr die „Beck’s Bier Bar“ zeigen zu können, wo ich viel Zeit verbracht habe.

HR: Ist das Dein erstes Mal wieder hier zu sein ?

RW: Das erste mal, dass ich wieder in Deutschland bin.

HR: Weißt Du noch das genaue Datum oder den Monat als Du nach Deutschland gekommen bist ?

RW: 1958. Wann war das noch ? Im Oktober ?!

HR: Elvis ist im Oktober gekommen.

RW: Ich bin mir nicht sicher, zitiert mich nicht, ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Ich weiß noch, es war Ende 1958. Wir haben Weihnachten im „Grunewald Hotel“ in Bad Nauheim verbracht.

HR: Wann hast Du Deutschland verlassen ?

RW: Im Juli des darauffolgenden Jahres, glaube ich. Ich bin dann in die U.S.A. zurückgegangen.

HR: Du warst nie mit Elvis in Paris ?

RW: Elvis ist nicht [wirklich] in Bars gegangen, aber es war das einzige, was man wirklich tun konnte. Ich war gerade 2 Jahre im Marine Corps. Ich war am Mittelmeer, Griechenland, Spanien, überall am Mittelmeer, auf einem Flugzeugträger. Als ich dann im August entlassen wurde, bin ich sofort Elvis in „Fort Hood“ besuchen gefahren. Er war gerade mit Boot Camp [Grundausbildung] fertig und sollte in Deutschland stationiert werden. Als ich da war fragte er mich, ob ich nicht seinen Vater begleiten wollte – seine Mutter war gerade gestorben – er wollte, dass ich mit komme, um Zeit mit seinem Vater und seiner Großmutter und mit ihm zu verbringen. Wir kannten uns ja schon Jahre davor, und ich denke, er brauchte jemand, auf den er sich verlassen konnte oder so.

Ich war noch für eine kurze Zeit im Marine Corps und eines morgens rief Elvis an und sagte: „Meine Mutter ist gestorben, kannst Du nach Hause kommen?“. Ich hatte keinen Urlaub mehr und bin dann zum befehlshabenden Offizier gegangen und ihn gefragt, ob es irgendeine Möglichkeit gäbe nach Hause zu fahren. Er sagte: „Ich sehe keine Möglichkeit Dich dahin zu bekommen“. Später am gleichen Tag bekam ich dann einen Anruf von meinem Bruder der sagte, dass mein Vater im Krankenhaus lag. Ich bin dann zum befehlshabenden Offizier zurück gegangen und er organisierte dann ein Flug nach Atlanta, Georgia in einem Armeeflugzeug. Ich habe dann von Atlanta ein Flugzeug nach Memphis genommen und war aber zu spät für Elvis‘ Mutters Beerdigung. Aber er kam dann am nächsten Tag zur Beerdigung meines Vaters.

HR: Vorhin habe ich mit Red gesprochen, worüber er am liebsten sprechen würde und er strahlte richtig, als er sagte:„Am liebsten würde ich mich über Musik unterhalten“.
Wir alle wissen, dass Red als Schauspieler in Filmen und im Fernsehen angefangen hat und dass er auch Songs geschrieben hat. Erst für andere und später auch für Elvis.
Den ersten Song, den Du für Elvis geschrieben hast, ich würde gerne die Geschichte dahinter wissen. Wir alle wissen, dass Elvis nicht komponiert hat und er konnte auch keine Noten lesen. Red aber schon, und Elvis sagte eines Tages zu Red: „Schreib mir einen Song über die Zeile „That’s Someone You Never Forget““.

RW: Ich habe Musik in Schule gehabt und Trompete gespielt. Elvis hat nach Gehör gespielt; er konnte aber keine Noten lesen. Ich schon und ich habe mit ihm zusammen die Probeaufnahmen von allen Aufnahmesessions gehört und habe ihm geholfen Sachen auszusuchen. Ich hatte das Glück 13 Songs geschrieben zu haben die Elvis aufgenommen hat. “If Everyday Was Like Christmas”, “Separate Ways”, “If You Talk In Your Sleep”, “If You Think I Don’t Need You”, “You’ll Be Gone”, “That’s Someone You Never Forget”. Für den letzten Song hat er mir den Titel gegeben.

Es gibt eine witzige Geschichte zu “You’ll Be Gone”. Elvis hatte “O Sole Mio” aufgenommen. Das ist so ein typisches Lied aus einer Oper und er wollte mehr Songs dieser Art. Es gab ein Song von Cole Porter, “When They Begin The Beguine”, und Elvis sagte: „Diesen Song mag ich, ich mag die Melodie. Kannst du den Text ändern?“. Ich sagte: „Klar!“.
Also habe ich den Text geändert zu [singt] “When They Begin The Beguine”... und ich habe “You’ll Be Gone” dazu geschrieben.

Die haben dann Cole Porter gefragt, ob es okay ist, wenn wir das so machen. War es aber nicht. Cole Porter sagte: „Zur Hölle damit! Ihr könnt meinen Song nicht einfach ändern. Es ist mir egal, wer Ihr seit“. Charlie Hodge kam dann rein und sagte: „Warum versucht Ihr nicht ein „C“ und ein „F“ [singt:] “Sweetheart, when we’re alone, and you are mine”... 2 Akkorde im ganzen Song, wir haben es geändert. Elvis nahm es auf und zur Hölle mit Cole Porter.

Den ersten Song, den ich jemals geschrieben habe, wurde von Pat Boone aufgenommen. Ich weiß nicht, ob sich jemand von euch “Moody River” erinnert? Ich habe die andere Seite [der Platte] geschrieben und “Moody River” hat sich eine Million mal verkauft. Also hat sich auch mein erster Song eine Million mal verkauft. Und dann habe ich “Big Big World” für Johnny Burnette geschrieben.

HR: War das der größte Hit den Du – Elvis nicht mitgezählt – jemals hattest, Johnny Burnette´s “Big Big World” ?

RW: Ja, ich würde sagen “Big Big World” war der größte ohne Elvis. Aber “If I’m A Fool” von Dino, Desi and Billy. Dean Martins Sohn, Desi Arnaz´s Sohn, die hatten einen Hit und ich habe beide Seiten [der Platte] geschrieben. “I’m A Fool” und den anderen Titel habe ich vergessen.

HR: Vielleicht können wir über diese 3 Songs sprechen: “I’ve Been Blue”, ”Mary-Lou Brown“ and “It’s No Fun Being Lonely”. Die wurden auf der „Homerecordings“ CD veröffentlicht.

RW: Wir hatten immer einen Kassettenrecorder dabei, als wir hier in Deutschland waren und ich habe überall Sachen aufgenommen. In Memphis, in L.A., Bel Air, Deutschland und so sind es immer mehr Aufnahmen geworden.
Aber zurück zu diesen 3 Songs.: Elvis‘ Wurzel war Gospel Musik, die sehr harmonisch ist; Quartetts. Er liebte die harmonischen Platten. Er hat Songs dieser Art gemocht. Also habe ich diese 3 hier ohne einen Grund geschrieben; einfach nur um sie zu singen, weil sie nicht sehr kommerziell sind. Aber jemand hat sie gefunden und Charlie, ich und Elvis haben die vor vielen, vielen Jahren gesungen. Die haben sie irgendwo ausgegraben und auf der „Homerecordings“ Platte veröffentlicht. Sie hat sich ganz gut verkauft. Ich meine, ich habe nie geglaubt, dass ich da noch was dran verdienen würde.

HR: Wurden die Songs in „Graceland“ aufgenommen?

RW: Sie wurden in „Graceland“ aufgenommen. Wir haben viel Zeit mit singen verbracht. Charlie, Elvis und ich und das war eine herrliche Zeit, Elvis liebte das Singen.
Er machte eine Show in Las Vegas oder auf Tournee und wir haben [nach den Shows] einfach weitergesungen. Er liebte das Singen und er hat auch gerne experimentiert. Er erinnerte sich gerne an Songs, von den “Sons Of The Pioneers”. Die waren in den alten Roy Rogers Filmen [singt:] “See Them Tumbling Down”... diese Sachen. Sich einfach an die Harmonien zu erinnern. Wir haben dann gleich mitgesungen und die Songs aufgenommen. Wir hatten eine Menge Spass sie zu singen. Es war toll, die alten Songs wieder zu hören und sich daran zu erinnern, an die Zeit, als wir sie gemacht haben und wie viel Spaß es war sie zu machen. Es bringt viele Erinnerungen zurück.

HR: Wie war das mit “If You Think I Don’t Need You?”

RW: Das war ein Song zu einer bestimmten Situation [im Film]. Irgendwelche Leute haben die Songs für die Filme geschrieben.
Wir hatten also die Situation, dass Ann-Margret versucht sich von Elvis fern zu halten; sich mit Cesare Danova trifft – ein sehr netter Gentleman – und sie brauchten ein Song dafür. Ich dachte mir, sie versucht sich fernzuhalten, Elvis rennt ihr nach, also habe ich [singt:] “If you think I don’t need you” geschrieben

HR: Du wolltest etwas für uns singen, stimmt das? Wir haben vorhin gemerkt, er kann es. Jetzt könnte er es beweisen.

RW: Ihr müsst mir alle helfen [singt:] „Muss I Denn, Muss I Denn Zum Städele Hinaus....[singt “Wooden Heart”].

HR: Stimmt es, dass Elvis diesen Song in Deutschland schon kannte?

RW: Nein, er hatte den Song gehört, kannte ihn aber nicht, als er hier war. Aber er sagte, es würde ein guter Song für „G.I. Blues“ sein. Er kannte den Text ein wenig, aber - genauso wie bei mir - , [singt:] “Sei Mir Gut, Sei Mir Gut”. Das ist schwer.

HR: Wusstest Du, dass Bert Kaempfert den deutschen Text geschrieben hat und er Elvis im Studio mit der richtigen Aussprache geholfen hat. Möchtest Du noch einen Song singen. Mit der Band? „Johnny B. Goode“?

[Red West singt “Johnny B. Goode” mit der Band “Sue and The Flaming Stars”]

RW: Es ist toll hier zu sein. Ich möchte dass ihr wisst, dass Elvis zurück [nach Deutschland] kommen wollte. Den einzigen Auftritt, den er hier in Deutschland hatte war in Frankfurt, als Bill Haley dort aufgetreten ist. Wir sind von Bad Nauheim rüber gefahren. Bill Haley sang “Rock Around The Clock”. Elvis hat kurz hinter dem Vorhang rausgeguckt und das ganze Publikum ist an Bill Haley vorbei und ist uns hinterher gerannt. Die Show war wohl dann vorbei. Aber Elvis wollte hierher kommen und Konzerte geben. Deutschland, Australien, England. Überall, aber er hat immer von seinem Manager die Ausrede bekommen, dass die Sicherheit nicht garantiert werden kann. Später haben wir dann herausgefunden, dass es damit nichts zu tun hatte. Der Colonel hatte Angst die U.S.A. zu verlassen weil er dachte, er würde nicht wieder hereinkommen. Jedenfalls hat Elvis darunter gelitten. Die Fans auf der ganzen Welt haben gelitten, weil sie den besten Entertainer auf der Welt nicht sehen konnten. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die Meinung vieler anderer. Es tut mir leid, dass er nicht hierher kommen konnte. Ich wünschte mir, er wäre als Entertainer gekommen, anstatt als Soldat. Vielen Dank.

HR: Es ist schade, dass Elvis nie nach Deutschland oder Australien, Japan, kommen konnte.

RW: Er ist in den U.S.A immer wieder in den gleichen Städten aufgetreten und er wusste, er hat auf der ganzen Welt Fans und er konnte nicht verstehen, warum er nicht dorthin gehen konnte, um diese Menschen zu treffen und sie zu unterhalten. Aber das war die Ausrede, die er vom Colonel bekam. Ich glaube, Elvis hätte noch viel länger gelebt, wenn er eine neue Herausforderung gehabt hätte. Die große Herausforderung war „Aloha From Hawaii“. Das wurde auf der ganzen Welt ausgestrahlt und ich denke, das war die einzige Möglichkeit, dass manche von Euch ihn live sehen konnten – im Fernsehen – und das zur gleichen Zeit, als er auf der Bühne war. Das war eine neue Herausforderung für ihn. Es war etwas anderes als das, was er sonst tat. Er hat sich immer einer neuen Situation gestellt, wenn er eine neue Herausforderung hatte. Ich bin mir sicher, dass, wenn er gewusst hätte, dass er herkommt um aufzutreten, er hätte sich darauf vorbereitet.

HK: Ihr wisst es ja bereits, Red hat in vielen Filmen mitgespielt und er ist ein sehr guter Schauspieler. Im Film “Wild In The Country“ hast Du Elvis‘ Bruder gespielt.

HR: Dein erster Film war eine kleine Rolle in “Flaming Star”?

RW: Nein, ich hatte eine Zeile in “G.I. Blues” und viele Stunts, aber “Wild In The Country“ war meine erste richtige gute Rolle. Jedenfalls für die, die den Film gesehen haben. In “Wild in the country“ war ich Elvis‘ Bruder Hank und wir mussten uns in der Scheune prügeln. Jedenfalls prügeln wir uns, Elvis haut mich um und prügelt auf mich ein und plötzlich schnappt er sich einen Milchschemel und haut ihn mir über den Kopf. Ich bin k.o. Ich bin also k.o und dann sieht man wie Elvis aus der Scheune rennt. Dann kommt ein Schnitt und Elvis rennt über die Wiese. Elvis hat mich gerade k.o. gehauen, er rennt aus der Scheune, aber wenn man ihn dann über die Wiese rennen sieht, das bin ich. Ich habe Elvis in Stunts und solche Sachen gedoubelt. Elvis hatte irgendetwas anderes gemacht, also habe ich mir sein Kostüm angezogen und man sieht, wie ich von Elvis k.o. gehauen werde und anschließend wie ich als Elvis über die Wiese renne.

HR: Vielen Dank an unseren heutigen Gast, Red West.


<<<Ende des ersten Teils des Interviews>>>


© 2003 It's Elvis Time Hamburg

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19 März 2003 23:05 #69776 von Taniolo
Taniolo antwortete auf Interview mit Red West

Danke Heiko, aber schreibt mein alter Kumpel Henrik Knudsen nicht ohne "d"? :huh:

... with a barefoot ballad you just can't go wrong.

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19 März 2003 23:26 #69789 von Jörg S.
Jörg S. antwortete auf Interview mit Red West
Vielen Dank für die Übersetzung,wenn ich mir das auf Englisch hätte durchlesen müssen,hätte ich es wahrscheinlich nicht getan und wäre um ein paar Infos ärmer.

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